Waking Mars

Dienstag, 3.10.2017, 20:19 > da]v[ax

Von Waking Mars wollte ich euch schon seit geraumer Zeit berichten, aber immer, wenn ich darüber nachdenke, wie ich dieses Spiel in Worte fassen soll, verlässt mich der Mut weil mir schwant, dass das wieder ein sehr langer Artikel werden wird.

Ich liebe fast alles an dem Spiel. Die detailverliebte Grafik, die exakte Steuerung, die perfekt passenden Soundeffekte, das generelle Feeling von Waking Mars. Es macht einfach nur Spaß, in dieser Welt herum zu fliegen; sie zu erforschen, besser kennen zu lernen, zu kartografieren und sich zu überlegen, wo man das beste Krebschenparadies anlegen könnte. Aber der Reihe nach.

Die Story beginnt auf dem Mars. Ihr schlüpft in den jetpackgetriebenen Raumanzug von Dr. Liang Qi, einem Astrophysikbiologen mit Hang zu entrückt-erstaunten Kommentaren, der ein riesiges Höhlensystem nach Teilen eines verschüttgegangenen Forschungsroboters durchsucht. Unterstützt wird er dabei von Amani, die von der Basisstation aus per Höhlenscanner den Überblick behält, und ART, einer hyperaktiven AI, die kurz vor Missionsbeginn versehentlich eine Sprachsoftware aus den 1940er Jahren verpasst bekommen hat. Kennt ihr die Hörspielserie Jonas, der letzte Detektiv? Jonas hat einen Computer namens Sam, dessen Sprachprogramme sich miteinander verheddert haben und über den ich mich kaputt lachen könnte. ART erfüllt ziemlich genau diese Rolle und radebrechtet sich in einer Überheblichkeit durch sämtliche Konversationen dass es eine wahre Freude ist.

Dr. Qi: "I wish your natural language module was working properly."

ART: "THANK YOU! I AM VERY ABILITIES FOR HUMAN DIALOG.GOOD NEWS! SCANS REPORT THAT YOU ARE AWAKE AND HAVE SUFFERED WITHOUT PERMANENT INJURY. ATTENTION! THE PRIOR OBSERVATION REGARDING ORGANIC MATTER IS ERRONEOUS."

Dr. Qi: "ART, do you have any settings to control the frequency of your dialog?"

ART: "YES! I AM CURRENTLY IN 'NORMAL' MODE. THERE IS ALSO 'VERBOSE' AND 'TERSE'."

Dr. Qi: "Hmm. Thank you."

Klingt dann so :grins: :

Zusammen erforscht ihr also die Unterwelt und stoßt dabei - so viel sei verraten - auf außerirdisches Leben. Seltsame pflanzenartige Alienwesen bevölkern die Höhlenlandschaften, verteilen Samenkapseln und Wasser, interagieren dabei mit der Umwelt und miteinander, füttern und futtern sich gegenseitig. Je mehr unterschiedliche Lebewesen Qi entdeckt, desto komplexer werden die dabei entstehenden Biosphären und euer Ziel ist - ihr ahnt es sicher -, diese Habitate erblühen zu lassen. Jetzt wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt für ein Video:

Ihr seht, überall schwankt und wuselt und schnappt und feuert es um euch herum, während ihr auf einem Jetstrahl durch die Gegend düst und tatkräftig am Geschehen mitwirkt. Die Steuerung geht dabei mit Gamepad sehr leicht von der Hand, wenn man mal eine funktionierende Tastenbelegung gefunden hat, wie es sich per Touchscreen oder anderen Eingabegeräten spielt, kann ich leider nicht sagen. Musikalisch wird das Ganze von einem Ambient-Techno-Soundtrack, der mich persönlich in seiner Monotonie auf Dauer ein bisschen nervt, aber nie so, dass es den Spielfluss stört. Da habe ich schon Schlimmeres durchgemacht ;)

So großartig das Spiel ist, den ein oder anderen Wermutstropfen gilt es zu schlucken. Mir persönlich kam es beim ersten Durchspielen zum Beispiel so vor, als würden die Cutscenes und das eigentliche Spielgeschehen nicht so richtig "zusammen passen" wollen. Ich hatte immer das Gefühl, die Story sei notdürftig über ein ansonsten geniales 2D-Puzzle drüber gekippt worden. Bei späteren Durchläufen war das Gefühl allerdings nicht mehr ganz so schlimm. Das andere "Problem" ist das Ende, bzw. die verschiedenen Enden des Spiels. Ohne jetzt zu spoilern kann ich euch guten Gewissens sagen, dass es zwei verschiedene Ausgänge des Geschehens geben kann. Und jetzt kommt's: der in meinen Augen bessere Ausgang erfordert weniger Handlung. Schwer zu erklären, aber ihr werdet schon sehen, was ich meine. Wenn man erst mal die "Sentients" entdeckt hat und alles macht, was die von einem wollen, bekommt man ein Ende zu sehen, das mir persönlich lange nicht so gut gefällt wie jenes, an das man kommt, wenn man eben etwas anderes tut. Ja, ich weiß, das klingt jetzt sinnlos, aber ich darf hier einfach nicht so viel verraten.

Aber selbst mit einem Punkt Abzug für diese kleinen Unzulänglichkeiten ist Waking Mars für mich eines der coolsten Spiele, die ich im Laufe des letzten Jahren gespielt habe.

Bewertung: ★★★★☆

Waking Mars gibt es für Windows, Mac, Linux, Android und iPhone im Shop eures Vertrauens.

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  • AppStore: https://itunes.apple.com/us/app/waking-mars/id462397814?mt=8

  • PS: was es mit dem Krebschenparadies auf sich hat, wollt ihr wissen? Das ist ein kleiner Spoiler:

    Es gibt so wuselige Viecher, die ein bisschen wie Krabben oder Krebse aussehen und die wir beim ersten Durchspielen Krebschen genannt haben (in den Bildern zu sehen). Diese Krebschen sind sehr anfällig für alles mögliche, sie springen liebend gerne in Lava, werden von verschiedenen anderen Lebewesen gefressen usw. Ein Krebschenparadies ist also ein Ort, an dem sich die Krebschen in Ruhe vermehren können, ohne Gefahr zu laufen, aufgrund diverser Gefahren ausgerottet zu werden. Und ein solches Krebschenparadies zu schaffen, ist in vielen der Levels eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Ich hatte es nämlich tatsächlich auch geschafft, in ein oder zwei Levels die Krebse komplett aussterben zu lassen und wenn das mal passiert ist, führt leider kein Weg zurück.