Holgis Gedanken zum Fahrradhelm
Samstag, 6.6.2015, 13:12 > daMaxHolgi meint:
Mein persönliches Symbol für die Richtung, in die wir uns entwickeln, ist der Fahrradhelm. Der ist konkreter diskutierbar, als die Hinnahme einer Gesellschaftsordnung, die auf vorauseilendem Gehorsam basiert, der wiederum impliziter Bevormundung durch Überwachung folgt - gerne auch gegenseitiger. Außerdem ist er eine griffige Metapher.
Was er sonst noch so meint, könnt ihr bei ihm selbst nachlesen. Schade nur, dass er keine Kommentare ohne Anmeldung zulässt trotzdem wird bei ihm munter diskutiert. Meine Gedanken zu Fahrradhelmen und Ähnlichem hatte ich ja bereits kundegetan.
Naja, für ein Symbol taugt er nur bedingt (der Helm). Scheuklappen oder besser gleich Filzbrille + Ohrenstöpsel gäben auch schöne Symbole ab. Gesellschaftsentwicklungen vorherzuahnen versuch ich mir gerade abzugewöhnen, denn außer in Teilbereichen, die wir allerdings nie zu einem gültigen Ganzen zusammenbekommen, gelingt uns ja nicht einmal eine Analyse unseres gegenwärtigen Zustands.
Ich hab noch ein paar Leute im Umfeld, denen die derzeitigen gesellschaftlichen Ausdruckseigenarten, ähnlich wie mir, ein regelmäßiges Kopfschütteln abringen - und dann fahren wir halt ohne Helm. ..gibt wichtigers, denn die gesellschaftliche Entwicklung schert sich einen Dreck um unsere mehr o. weniger treffenden (und ab & an auch ganz unterhaltsamen) Assoziationen.
Auf dem Fahrrad halte ich die Teile auf für nicht zwingend notwendig. Die Kids werden allerdings durch den netten Schupo beim "Fahrradführerschein" in Kindergarten UND Grundschule massiv darauf geeicht. Der hat so schöne Poster dabei mit zertrümmerten Auto-Frontscheiben ("Dem Kind ist nichts passiert, das hatte einen Helm an") und zermatschten Wassermelonen ("DAS passiert mit eurem Kopf wenn ihr keinen Helm tragt"). Ich bekomme da schon böse Blicke, wenn ich nicht eben so entsetzt nicke wie die anderen Eltern, von den blassen Kids ganz zu schweigen. Den Hinweis, dass ein Kinderkopf eben keine Wassermelone sei und im übrigen mehr drin, habe ich mich nur einmal getraut. Danach wartet man schon fast auf den Anruf des Jugendamtes.
Bei hohen Geschwindigkeiten und echten Kräften ist ein guter (!!!) Helm allerdings Klasse: Bin mal nach einem Motorradcrash (ich vs. Auto) 20 m weit geflogen und auf der folgenden Rutschpartie mehrmals hart mit der Rübe aufgeschlagen. Den Helm konnte ich danach weg schmeißen. Selbst hatte ich nicht mal eine Gehirnerschütterung
... also mein Sohn bekommt einen Helm auf wenn ich ihn hinten auf mein Fahrrad lade und natürlich kann ich ihm nur schwerlich einen aufsetzen ohne selbst einen zu tragen. Ich fände es absolut tragisch wenn wirklich mal was passiert ist und wir aus SYMBOLISCHEN Gründen keinen getragen hätten ... Quatsch, wenn es die Dinger gibt (gerade in der Stadt in der wir wohnen).
Klar, geht ja auch heutzutage kaum anders.
Die jüngere Generation ist sowieso schon auf neoliberales "Sicherheitsdenken" geeicht, gerade und weil es immer weniger Sicherheit im realen Leben gibt und die Ältere passt sich halt so weit es möglich an.
Wäre ja auch schlimm wenn unsere zukünftigen Leistungsträger durch einen blöden Unfall ihrer Bestimmung entsagen müssten... lächel