Das war knapp! [update]
Monday, 9.3.2026, 09:02 > daMaxAber mit meiner Stimme es hat gereicht. Leider hat auch hier im Ländle fast jedes 5. Wähly* offenbar keine Probleme mit rechtsextremen Einstellungen.
PS: ja, ich habe dieses Mal (entgegen meiner Überzeugung) "das kleinere Übel gewählt". Ich hätte zwar gerne die Linke im Landtag gesehen, aber noch lieber wollte ich einen CDU-MiPrä verhindern und es sieht so aus, als wäre das vielen anderen auch so gegangen. Tut mir echt leid für die Linke, weil jetzt genau gar keine linken Positionen mehr im Landtag vertreten sind. ![]()
Update: die Taz hat die hübscheste Berichterstattung des Tages dazu ![]()
baden-württemberg | landtagswahl | cem özdemir

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Ich halte deine Freude darüber, mit der eigenen Stimme eine rechtskonservative Partei gestärkt zu haben (in BaWü kommt alles, was nicht rechtskonservativ ist, ja nicht mehr im Landtag vor -), für etwas ungewöhnlich. Verdeckter Hilfeschrei?
Na, noch mal fünf Jahre tiefschwarze Reichen- und Autopolitik. (Winfried Kretschmann war nicht Argument genug, dass die Grünen in Baden-Württemberg anderswo CSU hießen, nein? Und jetzt Özdemir, der ihn noch rechts überholt...) - Gute Arbeit, Wählergemeinschaft!
Man muss das vielleicht so sehen, dass der Wahlausgang relativ vorherzusehen war und nur die Frage stand, ob Hagel oder Özdemir MP wird. Das ist jetzt entschieden.
Selber sehe ich dabei Özdemir als den weniger problematischen Kandidaten, denn der ist immerhin abgeklärter und zumindest, was eventuelle Höhenflüge qua Machtgewinn angeht, durch seine Zeit in der Bundespolitik hoffentlich geläutert.
Hagel selber sollte vielleicht froh sein darüber, dass es (noch?) nicht geklappt hat, denn in seinem Ego gefangen liefe er stark Gefahr, Opfer seiner politischen Naivität zu werden und damit nach oder während der nächsten Legislaturperiode über etwas mehr zu stolpern als über braune Augen;-)
Das Wahlergebnis spiegelt m.E. bis auf die Arbeiter der Zentren ziemlich die Wählerschaft in Ba-Wü wider. In erster Linie halt die bürgerliche Mittelstandsgesellschaft und die traditionell verwurzelte Landbevölkerung; bei Ersteren eben die nicht mehr so ultrakonservativen Ur-Schwarzen, sondern mit einem Umweltbewusstsein versehene Klientel, welche die Grünen wählt und dabei einen Schuß Eso drin hat. Der Rest dürfte sich so mehr oder weniger aus der Studentenschaft gespeist haben.
20% rechte Wähler entspricht so querbeet dem Schnitt an Menschen mit rechtem und verfestigt rechtem Gedankengut in D, auch verstärkt aus ehemals russlanddeutschen Einwanderern und ausgerechnet einem Teil des türkischen Milieus.
Die SPD als ohnehin zweite Geige in Ba-Wü hat - vielleicht auch dank ihrer Politik der letzten Jahrzehnte auf Bundesebene - neben der FDP inzwischen völlig abgeloost.
Die Linke hat es leider nicht in den Landtag geschafft, was einer meiner wenigen Wünsche auch ohne Einfluß auf die Landespolitik gewesen wäre.
Sorry für´s tl;dr
Bwahaha, die TAZ mal wieder:
https://taz.de/picture/8300820/1200/09-03-26-HP-Seite-1-epaper-23.jpeg
Edit:
Bwahahaha, CDU will den Ministerpresidentenposten jetzt als Lifestyle-Teilzeit-Stelle:
"Jens Spahn schlägt Teilung der Amtszeit vor"
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-03/baden-wuerttemberg-regierung-jens-spahn-gxe
@Peter: hey danke! Das hatte ich schon gesucht und nicht gefunden.
@daMax: (Deine Update-verlinkung ist falsch, die führt zu den stgter-nachrichten)
@Peter: oh hoppla, danke.
@Siewurdengelesen: Woa, ich bin da gestern zwei mal auf reddit in Bezug auf Mannheim und jetzt hier darüber gesolpert und wollte es eigentlich nicht so ganz glauben, aber Tatsache:
"20% rechte Wähler entspricht so querbeet dem Schnitt an Menschen mit rechtem und verfestigt rechtem Gedankengut in D, auch verstärkt aus ehemals russlanddeutschen Einwanderern und ausgerechnet einem Teil des türkischen Milieus."
Das Deutsche Zentrum für Integrations-
und Migrationsforschung DeZIM e.V. hat unter https://www.dezim-institut.de/aktuelles/wie-waehlen-menschen-mit-migrationshintergrund/ ein paar daten von 2025 dazu, zumindest in Bezug auf Personen mit Bezügen zur ehemaligen Sowjetunion.
"Die AfD wird insgesamt als am wenigsten wählbar erachtet (21,6 %). Bei allen drei Gruppen mit Migrationshintergrund ist die AfD die Partei mit den niedrigsten Werten, jedoch variieren sie je nach Herkunftsregion.
Geringere Neigung zur AfD: Befragte mit Bezügen zu EU-Ländern (17,6 %) und dem arabischen Raum/Türkei (19,7 Prozent).
Größere Neigung: Personen mit Bezügen zur ehemaligen Sowjetunion (29,2 %).
Hinsichtlich Migration bewerten Befragte mit Migrationshintergrund CDU/CSU (25,9 %) und AfD (24,7 %) als am kompetentesten."
Die Stuttgarter Zeitung hat auch einen Artikel dazu (70% AFD in Pforzheim)
AfD-Hochburg in Pforzheim „Ich habe gewählt und fertig“ – Warum die AfD hier punktet.
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.afd-hochburg-in-pforzheim-ich-habe-gewaehlt-und-fertig-warum-die-afd-hier-punktet.cd9d07b5-d627-4da4-8935-0ee2228c85f2.html
@Siewurdengelesen, hast Du einen Link oder Infos zu Deiner Behauptung, dass das Phänomen auch "einen Teil des türkischen Milieus" betrifft? LAut Z.f. Migrationsforschung liegt der Anteil ja auf Bundesdurschnitt und ich kann auch im Netz nichts dazu finden.
@Peter:
Vorher noch eine Anmerkung dazu, damit das nicht falsch verstanden wird: Die Aussage ist nicht, dass analog zum Schnitt auch ca. 20% der hier lebenden Nachkommen türkischer Einwanderer die AfD tatsächlich wählen, sondern dass es analog zu den Spätaussiedlern steigende Tendenzen dazu gibt. Wirkliche Zahlen wird es auch nur auf Umfragenbasis geben.
Gründe dafür sind m.E. folgende:
- viele sind immer noch einem klassischen Weltbild verhaftet und haben daher bei abweichenden Sexualnormen bereits Schnittmengen mit den Rechten; das trifft auf den Mann als Chef der Familie ebenfalls zu
- ein weiterer Punkt ist der religös bedingte Antisemitismus zu, wobei dieser eher so in die Richtung des links orientierten geht, der das BSW wahlfähig macht
- hinzu kommen wie bei den Spätaussiedlern und anderen früheren Einwanderergruppen der Sozialneid und Abstiegsängste/Benachteiligung gegenüber den jetzigen Zuwanderern, der so ein wenig auf dem Trittbrett der Rechten läuft, dass die Neuankömmlinge alles in den Hintern geblasen bekommen, während man sich seinen eigenen Wohlstand erarbeiten musste - eigentlich ein Klassiker.
- es gibt bei den Türken und da häufig bei deren bereits hier Geborenen einen an die deutschen Rechten ziemlich anschlussfähigen türkischen Nationalismus, der sich u.a. im Begeistern für die Politik Erdogans auszeichnet und in solchen Gruppen wie den Grauen Wölfen zeigt. Das ist so ein bisschen ein Witz, dass man die Lebensumstände in D hat und den "starken Mann" verehrt. Sicher spielt da auch so ein gewisser Orientierungs- und Identitätsverlust hinein, der Bezüge zum osmanischen Sultanat oder einer Türkei unter Kemal Atatürk erstrebenswert erscheinen lässt, als "man" noch jemand war in der damaligen Welt.
- eine weitere Deckung gibt es beim geringen Vertrauen darin, dass derzeitige Politiker und Politik tatsächlich Probleme lösen können, sowie der Hang zu Verschwörungsmythen bei komplexen Themen wie dem Klimawandel, womit sie wieder anfällig für schwarz-weiß-Denken und die scheinbar einfachen Ansätze radikaler Parteien machen. Daraus speist sich vermutlich auch die Sympathie für das BSW, nachdem die SPD als Zielpartei der meist Industriearbeiter in der früheren BRD schwindet.
Der Welt-Artikel leider hinter der Paywall:
https://www.welt.de/politik/ausland/plus250145214/Politikverdrossenheit-unter-Deutschtuerken-Vielleicht-waehle-ich-bald-AfD.html
https://www.dw.com/de/wen-migranten-in-deutschland-w%C3%A4hlen/a-71380892
Der Anteil der Wähler stieg dabei wie folgt:
2017 - faktisch 0%
2021 - 2%
2025 - 8%
https://mediendienst-integration.de/news/wie-waehlen-menschen-mit-einwanderungsgeschichte/
https://www.kas.de/documents/252038/33607021/Monitor_Wahlverhalten+von+Menschen+mit+Migrationshintergrund.pdf/f60f59b9-17a3-d502-7977-707b4d24a94b?version=1.0&t=1758706749282#page=9
Sie liegen damit zwar immer noch unter dem Schnitt anderer Wähler, aber die Zunahme ist offensichtlich. Anekdotisch kann ich das aus dem eigenen Umfeld und für den Südwesten bestätigen, dass die o.g. radikalen Positionen der AfD häufig geteilt werden und gleichzeitig ausgeblendet wird, dass einen rechte Politik selbst irgendwann betreffen könnte.
@Siewurdengelesen: Dankeschön für Deine ausführliche Erklärung und die Links.
Du hast es ja relativiert mit dem Absatz, im Vergleich zu "Personen mit Bezügen zur ehemaligen Sowjetunion".
"Sie liegen damit zwar immer noch unter dem Schnitt anderer Wähler, aber die Zunahme ist offensichtlich. Anekdotisch kann ich das aus dem eigenen Umfeld und für den Südwesten bestätigen, dass die o.g. radikalen Positionen der AfD häufig geteilt werden und gleichzeitig ausgeblendet wird, dass einen rechte Politik selbst irgendwann betreffen könnte."
Jup, dieses Phänomen kann man ja mittlerweile überall auf der Welt beobachten, extrem auch bei Trumpsupportern südamerikanischer Herkunft.
"- hinzu kommen wie bei den Spätaussiedlern und anderen früheren Einwanderergruppen der Sozialneid und Abstiegsängste/Benachteiligung gegenüber den jetzigen Zuwanderern, der so ein wenig auf dem Trittbrett der Rechten läuft, dass die Neuankömmlinge alles in den Hintern geblasen bekommen, während man sich seinen eigenen Wohlstand erarbeiten musste - eigentlich ein Klassiker."
Ja, ein klassiker. Das kenne ich aus meinem ital. Umfeld.
Wobei ich aber sagen muss, dass trotz des Zuspruchs zu faschistischen Parteien wie Lega, Lega Nord oder wie auch immer der braune Salvinisch@#$% heisst, keiner Afd wählen würde. Aber vielleicht ist das wirklich nur meine Mittelgroße Landeshauptstadtbubble, in der ich lebe.
Aber gut, in all der braunen Sch@#%% eine Logik zu erkennen, braucht man ja nicht unbedingt, aber vielleicht kann mir einer eine Sache erklären, die ich trotz Hirnspagat oder sonstigen Verrenkungen, abseits der Menschenverachtung, nicht hinbekomme oder nachvollziehen kann:
Diese "internationale nationale"(sorry für die Anlehnung, ahahaha):
Wie kann es sein, dass sich ein amerikanischer Nazi ein Hakenkreuztattoo stechen lässt, obwohl sein Großvater im 2ten Weltkrieg gekämpft hat?
Woher kommt der Zuspruch, dass die Afd erst mal in Russland Hände schüttel und Geld einsammeln geht? Das müsste doch nach deren Gesinnung Landesverrat sein, oder nicht? Heben die sich das für "später" auf, oder ist das bereits das "Neo" im Nazi?
@Peter:
"Wie kann es sein, dass sich ein amerikanischer Nazi ein Hakenkreuztattoo stechen lässt, obwohl sein Großvater im 2ten Weltkrieg gekämpft hat?
Woher kommt der Zuspruch, dass die Afd erst mal in Russland Hände schüttel und Geld einsammeln geht? Das müsste doch nach deren Gesinnung Landesverrat sein, oder nicht? Heben die sich das für "später" auf, oder ist das bereits das "Neo" im Nazi?"
Ich glaube, dass die Rechten schon immer "ambivalent" waren auch im Umgang miteinander - Pack schlägt sich und Pack verträgt sich. Am Ende geht es gemeinsam gegen alles, was nicht rechts ist; bereits da und auch später bildet und löst man Allianzen nach größtmöglichem Eigennutz und im Mißbrauchen "nützlicher Idioten" für die eigene Drecksarbeit.