Zur Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz [Update]

November 30th, 2009, 18:46 > da/Y\ax

Frédéric Valin hat bei spreeblick einen sehr guten Kommentar zur Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz veröffentlicht, den man sich mal in Ruhe durchlesen sollte. Zitat:

Die Idee der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist, dass jeder andere Talente und Fähigkeiten hat, die zu unterschiedlichen Dingen von Nutzen sind. Im Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere, unterschiedlicher Hintergründe, unterschiedlicher Ideen und unterschiedlicher Herangehensweisen entsteht etwas, mit dem sich alle (oder fast) anfreunden können. In dem sie sich verwirklichen können. Vielfalt ist ein Nischenprodukt der Freiheit.

Um teilzunehmen an einer Öffentlichkeit muss man öffentlich sein. Man, und das heißt hier: die Muslime müssen das Recht haben, auf das hinzuweisen, was sie sind, was sie wollen und wie sie es wollen.

Habe ich jetzt mein Zitatrecht überreizt? Ich hoffe, nicht ;)

[Update]: Na da hat einer aber voll ins Wespennest gestochen. Bis heute (1.12. 7:06) kamen 186 Kommentare zusammen. Das zeigt mir, dass es zu dem Thema dringenden Diskussionsbedarf auch hier in D-land gibt.

9 Meinungen zu “Zur Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz [Update]”

  1. Chris meinte:

    Nein, hast du nicht. Spread the word, klingt komisch, passt aber.
    Tolle Gedanken, der Herr V.

  2. Chris meinte:

    …ah, der Link zur Spree ist putt.

  3. Didi meinte:

    Hmja, müsst ich mal lesen, wenn der Link wieder tut. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, dürfen ja weiterhin Moscheen gebaut werden?

    Meiner Meinung nach ist aber die Idee jeder staatlichen Grundordnung, das friedliche Zusammenleben verschiedener Menschen zu ermöglichen. Und wenn jemand jetzt in meiner Straße ein Minarett hinbauen wollte (wo 5x am Tag ein Muezzin lautstark zum Gebet aufruft), dann würd ich glaub Amoklaufen! Bei einem Kirchturm, der 5x am Tag längere Zeit zum Gebet aufruft, übrigens auch.

    Und wenn man mal ein wenig googelt, wie Christen in der islamischen Welt behandelt werden, sollen die alle froh sein, dass die Christen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.

  4. daMax meinte:

    Link ist wieder heile.

  5. Dazu noch ein Gedanke:

    teilgenommen haben 54 % der SChweizer. Von diesen haben 57 % für ein Bauverbot von Minaretten gestimmt. Macht also ca. 31 % der gesamten Schweizer Bevölkerung. In der Öffentlichkeit ist oft zu lesen, daß “die Mehrheit der Schweizer” für die Initiative gestimmt habe. Das ist nicht wahr.

    Damit will ich nicht eines der Prinzipien demokratischer Wahlen (also auch das Recht, nicht zu wählen) angreifen. Vielmehr ist das ein kritischer Hinweis auf Rufe nach dem direkten Wahlrecht: so kanns halt auch gehen, wenn man direkt beim Volk nachfragt – ein paar Leute schreien ganz laut, aber weil gut 46 % der anderen gar nichts sagen, bestimmen die Schreienden, was für alle gelten soll. Jetzt kann man der Meinung sein, daß angesichts der Entfernung der Politiker vom Volk ein direktes Wahlrecht ab und an wohl täte.

    Dab bin ich aber skeptisch. Denkt mal an die Art, wie in der Öffentlichkeit über Ego-Shooter, Internet oder die PP berichtet worden ist und wie da – ganz so wie in der Schweiz (Stichwort Plakat der SVP, Flash-Spiel “Minarette-Abschießen” auf deren Website) – Demagogie in Reinkultur betrieben worden ist. Will sagen: würde man eine Anti-Ego-Shooter-Initiative geschickt nach einem Amoklauf platzieren, würde das Ergebnis ganz anders ausfallen als bei einer Platzierung im Sommerloch.

    Angesichts dessen, daß man gar nicht mehr so genau sagen kann, wie demokratischer Volkswille erfragt werden kann, weise ich auf die basics hin:

    ich weiß nicht, wie die ganzen komplexen Abläufe zwischen Volkswille, Volksbefragung, repräsentativer, direkter Demokratie, Politikern und Nichtwählern ablaufen, aber es ist völlig klar, daß ein Grundrecht, das nur für einen (nämlich den christlichen) Teil der Bevölkerung gilt, undemokratisch ist. Grundrechte müssen für alle gelten. Das ist hier nicht mehr der Fall. Christen dürfen Kirchen nach gusto bauen, Moslems dürfen ihre Moscheen nicht nach gusto bauen. Heißt also: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Im Sinne des obigen Artikels und in bezug auf Zensursula: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Naja, und das mit der Brüderlichkeit dürfte sich dann auch ganz von selbst durchstreichen.

    Der Westen sieht sich durch den Islam bedroht und sägt – zur Abwehr versteht sich – an seinen eigenen Pfeilern.

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/11/29/schweizer-referendum-nein-zu-minaretten/

  6. Frédéric meinte:

    Keine Angst vor dem Zitatrecht: aus Spreeblick steht alles unter CC. Solang man damit kein Geld verdient, kann die Beiträge jeder haben. ;)

  7. Didi meinte:

    @Borna: “…aber es ist völlig klar, daß ein Grundrecht, das nur für einen (nämlich den christlichen) Teil der Bevölkerung gilt, undemokratisch ist.”

    Da geb ich Dir vollkommen recht. Vielleicht sollte man Kirchtürme auch verbieten :-) Wofür die heutzutage (früher haben die ja auch zum Gebet bzw. Gottesdienst aufgerufen) noch gut sein sollen, weiß ich nicht so genau.

    Andererseits ist das Kind ja irgendwie schon in den Brunnen gefallen. Hier in Stuttgart rege ich mich ziemlich drüber auf, dass es Willensbekundungen “einer großen Anzahl Bürger” (nix Mehrheit oder so) gibt (z.B. Petition gegen S21) und die Politik sich einen Scheiß drum schert. Deswegen wär es jetzt auch falsch, diesen Volksentscheid nicht zu “befolgen”, selbst wenn der Prozentsatz, der eine Meinung dazu hatte, nur gering war. Oder?

    Schlußendlich ist meine persönliche Meinung außerdem, daß die einzigen, die sich darüber aufregen dürfen, Muslime sind, die Schweizer Staatsbürger sind. Alle anderen sind nur Gäste, und haben sich nun mal danach zu richten, was der Gastgeber sagt :-)

    P.S.: und es geht NICHT um Kirche Moschee, sondern nur Kirchturm Minarett…

  8. @Didi

    Hmmm, ich finde, daß dieses Beispiel gut veranschaulicht hat, daß nicht jeder Volksentscheid gut sein muß. Im Falle Stuttgart 21 hätte die Stimme des Volkes mehr zählen sollen, im Falle Minarett-Verbot hat sie es – bedauerlicherweise.

    Was ich aber wichtig finde: Grundrechte gelten nicht nur für Staatsbürger, sondern auch für Bürger. Also auch für registrierte Migranten. Sonst währen es keine Grundrechte, sondern Privilegien. Es besteht nicht umsonst eine enge Ähnlichkeit von Grundrecht und Menschenrecht. ;-)

  9. daMax meinte:

    Kirchtürme verbieten! Tschaka! Oder von mir aus können die auch stehen bleiben (sind immerhin praktische Uhren dran), aber das Gebimmel kann von mir aus noch heute verboten werden. Für alle Zeiten und weltweit. Woher hat eine Religionsgemeinschaft das Recht, mich morgens mit Lärm zu nerven? Häh?

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