Homöophobie

Juli 14th, 2010, 21:33 > da/Y\ax

Es ist so heiß dass wieder mal bei vielen Leuten sämtliche Sicherungen durchknallen. Klar, dass jetzt über Homöopathie gequasselt werden muss. Umso erfreulicher, dass Johnny Haeusler sein Hirn ab und zu in den Kühlschrank legt oder so, denn er behält die Nerven und schreibt unaufgeregt wie immer einen sehr wahren und guten Text, der Deutschlands Quasselbude zum Verstummen bringen könnte.

Wer sich über die paar Millionen Homöopathiekosten wirklich aufregt, der tut also gerade so, als wäre die Schulmedizin und das sie umgebende System frei von Quacksalbern, Fragwürdigkeiten, Betrug, künstlich überhöhten Preisen, Pfusch und lebensgefährlichen Fehldiagnosen auf Kosten der Kassen und Patienten.

Leider wird er viel zu wenig gelesen oder die Leute hören sich eben lieber selber quatschen... sieht man auch ganz grandios in den Kommentaren. Meine Fresse, was da wieder abgeht. Der reinste Glaubenskrieg. Die ganzen Fuzzis, für die westliche Wissenschaft das Nonplusultra ist, sollten sich mal reden hören. Das sind genau solche Fanatiker wie sie in Terrorcamps nicht besser herangezüchtet werden könnten.

6 Meinungen zu “Homöophobie”

  1. Moss meinte:

    Na, was willst Du denn der schlimmen «westlichen Wissenschaft» gegenüberstellen? Östliche Wissenschaft? Die funktioniert auch nicht anders, wie Wissenschaft halt so funktioniert — im Gegensatz zu Homöopathie, Schamanismus und Magie.

    Und was der gute Jonny Häusler verkennt: jeder Euro, der den Homöopathen und sonstigen Quacksalbern zufließt, fehlt nicht nur bei der Bezahlung echter Heilbehandlung, sondern führt auch noch zu deren Verzögerung oder gar Unterlassung. Wenn man die Langzeitfolgen dazurechnet, kommen da vermutlich wesentlich mehr als die genannten 0,6% zusammen.

  2. daMax meinte:

    @Moss: Naja, sagen wir mal so: auch westliche Wissenschaft lässt sich oft genug nicht von Magie unterscheiden denn:

    Jede ausreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden *

    Abgesehen davon scheint Homöopathie bei manchen Leuten zu wirken, was also ist daran schlechter als nicht funktionierende, überteuerte Arzneimittel? Wenn ich mir so anschaue, wieviel Lebenszeit meine Mutter schon in Krankenhäusern verbracht hat und von völlig desinteressierten, teils inkompetenten Ärzten “behandelt” wurde, dann stelle ich mir schon die Frage, ob diese Halbgötter in Weiß nicht schon viel zu lange viel zu viel Kohle in den Hintern geblasen bekommen haben. Wir reden hier von ernsthaften Fehlmedikamentierungen, die mein Vater den Ärzten nach langem Studium der Wechselwirkungen erklären musste etc.

  3. Moss meinte:

    @damax: stimmt — allerdings wird der Fortschritt der Technologie vom aktuellen Standpunkt ihres Verständnisses aus gemessen. Magisch wirkt nur, was man/frau/sonstwas nicht erklären kann.

    Was genau soll an Homöopathie denn wirken — das eine Molekül eines angeblichen Wirkstoffs, das mit viel Glück in Wasser oder Zucker enthalten ist (bzw.: aus was für Moleküle bestehen eigentlich z.B. Mondlicht oder Vakuum?)? Das einzige, was da wirken kann, ist der Plazeboeffekt, und der wirkt nur bei manchen genügend unaufgeklärten Leuten, s.o. Es würde ja schon reichen, wenn jedes sog. «homöopathische Arzneimittel» den gleichen Wirkungstest durchlaufen müßte wie ihn z.B. jedes Kopfschmerzenmedikament hinter sich hat.

    Ich stimme Dir zu, dass in unserem Gesundheitssystem, das an vielen Stellen eher einem Krankheitsverwaltungssystem ähnelt, sehr viele andere Mißstände zu ändern wären, bei Ausbildung. Motivation und Grundhaltung vieler Ärzte und Pflegekräfte mal angefangen; aber wenn’s an fünf Enden brennt, hilft es wenig, nur an einem zu löschen.

    Im klassischen Griechenland, heißt es, habe man den Arzt nur solange bezahlt, wie er einen gesund hielt. Vielleicht sollte man dieses Modell wieder einführen … ;-)

  4. daMax meinte:

    @Moss: Siehste, genau das meine ich. Manchmal sind es vielleicht die reinen Selbstheilungskräfte des Körpers, was weiß ich. Vielleicht ist es die Aufmerksamkeit, die Ärzte den Patienten zukommen lassen, die schon was bewirkt. Und Ärzte, die eben auch homöopathische Mittel verschreiben, nehmen sich einfach mehr Zeit für ihre Patienten.

    Es mag für westlich “aufgeklärte” Menschen zwar befremdlich wirken, aber es gibt auch andere Wahrheiten außer der westlichen Wissenschaft. Ich weiß, das wirst Du mir nicht abnehmen, aber ich glaube tatsächlich daran, dass unsere “Wissenschaft” nicht das nonplusultra der Erklärung der Welt ist. Das kann ich jetzt nicht alles runter tippen, aber es gibt mehr als Atome und Moleküle… ich denke, die Quantenphysik kommt so nach und nach dahinter, dass das Universum nicht so deterministisch funktioniert, wie unsere paar hundert Jahre alte “Wissenschaft” das gerne hätte. Mal sehen, wohin die Reise führt.

  5. anneloewe meinte:

    Hallo Moss,

    zu behaupten Homöopathie würde nur bei “ausreichend unaufgeklärten Menschen” funktionieren ist sehr arrogant und wird sicher vielen Menschen, insbesondere auch ÄrztInnen, die Schulmedizin und Homöopathie verbinden nicht gerecht.
    Es gibt viel unerklärliches auf dieser Welt – und glaube mir als Ex-Kinderkrankenschwester – auch in der Schulmedizin. Was heute als belegt gilt und praktiziert wird ist morgen widerlegt. Was beim einen Patienten funktioniert, hilft völlig unerwarteter Weise beim anderen nicht.
    Da lobe ich mir doch manchmal Erfahrungswissen, das, wenn auch nicht objektiv belegbar, doch aufgrund einer guten persönlichen Einschätzung funktioniert.

    Nachdenklich werden meiner Erfahrung nach Menschen übrigens oft dann, wenn ihre ach so logische und klare kleine (Gedanken)Welt plötzlich zusammen bricht wenn sie sich mit dem eigenen Tod konfrontieren müssen und erstaunt feststellen, dass Ihnen die Schulmedizin nicht helfen kann.
    Du wärst überrascht wofür mensch sich plötzlich öffnet ;-) und manchmal erstaunt feststellt, dass manches funktioniert, wenn auch kein Wissenschaftler sagen kann warum.

    Liebe Grüsse,
    Anne

  6. Moss meinte:

    @anneloewe: Was genau soll an meiner Feststellung denn arrogant sein? Aufgeklärte Menschen wissen, dass ein bißchen geschütteltes Wasser keine wie auch immer geartete Wirkung haben kann. Ärzte (beliebigen Geschlechts), die wider besseres Wissen das Gegenteil behauptet, sind entweder Quacksalber oder einfach dumm.

    Was da wirkt, sind, wie bei allen üblen Taschenspielertricks, die unauffälligen Manipulationen. Heilpraktiker nehmen sich in der Regel bei der Anamnese viel Zeit für die Patienten, und die Globuli sollen natürlich nur dann wirken, wenn man sich während der Behandlung von Tabak, Alkohol, Kaffee und anderen Drogen (und was Hahnemann so alles darunter verstand — bei dessen Liste kann einem das kalte Grausen kommen) fernhält — klar, dass es den Patienten oft besser geht. Hier mag der Zweck das Mittel heiligen und es mag einfacher sein, jemanden über das Schlangenöl Homöopathie vom Rauchen oder Saufen abzuhalten, aber das Ganze funktioniert doch einfach nur über den Glauben, also über mangelndes Wissen (und bei aufgeklärten Menschen entsprechend nicht).

    Das die Schulmedizin nicht immer wie beabsichtigt funktioniert, kommt ebenso einfach daher, dass wir noch bei Weitem nicht alles wissen. Im Gegensatz zur Homöopathie basiert Schulmedizin aber auf gegenwärtigem Wissen und ändert sich deswegen auch ständig. So funktioniert Wissenschaft!

    Ich habe das Glück, einen Hausarzt zu haben, der mir zuhört und der sich Zeit nimmt, aber der auch eben Medizin treibt und keine Quacksalberei. Das sollte überall so sein, dann könnten wir das Kapitel Homöopathie bald schließen.

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