Ein Jahr CachyOS to daMax

Tuesday, 2.6.2026, 07:02 > daMax

Was denn? Schon ein Jahr rum?

Zum 1. Geburtstag meines Betriebssystems könnte ich doch mal wieder einen etwas längeren Blogpost schreiben. Oder? Yo.

Für die Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne schon mal das Fazit vorweg: ich bin mit CachyOS auf meinem PC zu 98% happy und vermisse auch fast nichts aus der Windowswelt. Nach meinen jahrzehntelangen Linuxlästereien kann ich es selber kaum glauben, aber ich bin wirklich glücklich mit Linux in der Cachy-Reinkarnation.

Das geht schon mit dem vom Cachy-Team liebevoll kuratierten Desktop Environment KDE Plasma los. Es ist Windows ähnlich genug, um mir als Umsteiger keine wirklichen Herausforderungen zu bieten, sieht dabei aber sowas von viel besser aus, dass es eine wahre Augenfreude ist. Na, und in Sachen Personalisierbarkeit ist Linux sowieso der unangefochtene Platzhirsch unter den Betriebssystemen und KDE reizt das mehr oder minder vollständig aus.

Ist das schnieke oder was?


Ich bin auch ein großer Fan dieser Desktop-Widgets bzw. Plasmoids, die mich auf einen Blick sehen lassen, was mein System so treibt:

Jep, richtig gesehen. Ich kann die Lautstärke jeder App und jedes Geräts direkt von meinem Desktop aus steuern. Eat cat shit and die, Windows!

Die bei KDE mitgelieferten Programme sind allesamt intuitiv zu bedienen und teilweise deutlich besser als ihre Windows-Pendants. Alleine der Filebrowser Dolphin kann einfach mehr als ein Windows-Explorer und Apps wie Gwenview, Spectacle und Konsole runden das Gesamtpaket ab.

Das Cachy-Team hat bei der Auswahl der Apps dabei ein wirklich gutes Händchen bewiesen. Nerds wie ich brauchen beispielsweise hin und wieder die Möglichkeit, möglichst außergewöhnliche Sonderzeichen wie ℻ℌℇ⅀⅋ℸ⅌⅊™ zu tippen. Unter Windows hat mir da immer charmap geholfen, unter Cachy ist KCharSelect installiert, das genau so funktioniert, aber eben wieder viel besser aussieht. Dieses Programm musste ich in anderen Distros mit KDE erst nachinstallieren (und ich weiß nicht mal, ob ich es dann so einfach gefunden hätte).

Die Cachy zugrunde liegende Arch Linux Architektur sorgt dafür, dass ich immer die aktuellsten Bibliotheken und Programme habe, ohne auf Bloat wie Flatpaks, Snaps oder AppImages zurück greifen zu müssen, die z.B. das TuxedoOS auf meinem Laptop zu müllen. Außerdem liebe ich den Package Manager pacman, weil er super funktioniert und dabei auch noch total süß ist:


Muss man einfach lieb haben, oder? Der Sound ist natürlich eigentlich nicht dabei ;)

Mit diesem einen Befehl habe ich nicht nur mein Betriebssystem aktualisiert, sondern auch (fast) alle auf dem Rechner installierte Software. Kein ständiges "hey, ich habe hier ein prima Update für dich, magste das kurz mal eben installieren?", das man von anderen OS'en kennt.

Überhaupt Software: ich habe bisher außer dem BOSS ToneStudio (fuck you, BOSS!) noch nichts gefunden, das ich nicht machen kann. Und glaubt mir, ich will einiges machen. Mucke hören? Audacious. Videos glotzen? Haruna. Texte/Configs editieren? Kate. Surfen? Firefox. Mailen? Thunderbird. Videos aufzeichnen? OBS Studio. Videos editieren? ShotCut. Sound frickeln? Audacity. Chatten? Signal. Grafik frickeln? Gimp und Inkscape. Überblick über die Festplatten bekommen? FileLight. Es gibt nichts was es nicht gibt.

Alle meine Steam-Games laufen direkt out-of-the-box und mit ein paar Verrenkungen kann ich hier auch Noita und Diablo spielen. Ja, ich meine das Diablo anno 1996 :-D Zu meiner großen Überraschung gibt es auf GOG inzwischen viele Spiele auch nativ als Linux Versionen inklusive eines Linux-Installers, so zum Beispiel Kingdoms and Castles.

CachyOS optimiert alle Pakete auf Performance. Sie werden für die jeweiligen CPU-Architekturen kompiliert, in eigenen Repositories bereitgestellt und hier fliegt echt alles in einer Geschwindigkeit, die ich mir unter Windows auch wünschen würde. Dabei hält sich aber der Energiebedarf wirklich in engen in Grenzen, wie ihr dem Screenshot mit den Widgets entnehmen könnt.

Tja und weil es Linux ist, kann ich so Fisimatenten machen wie meine KeepassXC-Datei auf einen Webserver legen und das Verzeichnis per sshfs mounten, so dass es für das System aussieht, als handele es sich um einen lokalen Ordner. So habe ich alle meine Passwörter auf allen Rechnern immer synchron zur Verfügung.

Dank des Arch User Repository (AUR) kann ich auch exotischere Software finden und beispielsweise meinen Scanner mit der korrekten Software füttern.

Und wenn ich dann doch mal Windows Software benötige wie WiSo Steuer, Guitar Pro oder Ultimate Vocal Remover, dann geht auch das dank WINE.

Sollte irgendetwas komplett schief laufen, habe ich btrfs Snapshots, um mein System zurück zu setzen und dank der magischen REISUB Tastenkürzel kann ich das System selbst dann noch sicher rebooten, wenn gar nichts mehr geht.

Zu guter Letzt muss erwähnt werden, dass das Cachy Forum absolute Spitze ist. Da tummeln sich lauter nette und hilfsbereite Menschen, keine Spur von der sonst so verbreiteten Linuxnerdhochnäsigkeit.

Kurzum: ich kann jedem Windows- und Mac-OpferNutzy* dringend raten, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und sich mit Linux anzufreunden. Muss ja nicht gleich so was Hochtrabendes wie CachyOS sein. Auf dem Laptop meiner Herzensdame läuft seit gut einem dreiviertel Jahr Linux Mint und sie ist damit vollauf zufrieden.


Kleiner Einschub: Die fehlenden 1% Happiness will ich euch natürlich nicht verschweigen.

Zum einen habe ich Probleme, meinen Desktop Sound aufzuzeichnen. Audacity sagt zu pipewire, pulse und default nur "Error opening recording device":

und OBS Studio Aufnahmen meines Desktop-Sounds klingen so:

Falls ihr da eine Idee habt, gerne her damit. So sieht mein inxi -CAGz aus:10

Das 2. fehlende Prozent kommt daher, dass so ca. alle 10-20 Bootvorgänge meine Maus nicht "da" ist und ich sie einmal aus- und wieder einstecken muss. Ähnliches gilt so ungefähr 1x im Monat auch für einen der beiden Monitore, der in der falschen Auflösung angesprochen wird, auch hier hilft am Besten das alte Rausreinspiel.


Abgesehen davon läuft hier alles rund und sauber und leise und hübsch. Ich kann es selber kaum fassen, dass der Exodus von Windows so lässig vonstatten ging. :-) Wobei ich ehrlicherweise ja auch ein IT-Profi bin und sehr viel Zeit damit verbracht habe, mich in das Betriebssystem rein zu nerden, ich bin ein Dauergast im Forum, ich hab mich mit der Wartung von Arch Linux Systemen beschäftigt und so weiter und so fort.

Ob der Umstieg für euch auch so locker vonstatten gehen wird, weiß ich natürlich nicht, aber ich würde euch dazu ermutigen, es mal zu versuchen.