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Falls ihr mal eine andere Meinung zu dem "Militärputsch" in der Türkei lesen wollt

Montag, 18.7.2016, 19:19 > da]v[ax

Bitte.

Das Hotel, in dem sich Erdogan zunächst aufhielt, wurde genau eine halbe Stunde, nachdem er es verlassen hatte, bombardiert, ebenso wie das Gebäude des Parlaments, das in Zukunft ohnehin keine Rolle mehr spielen soll. Regierungsgebäude und die Wohnsitze Erdogans blieben dagegen verschont. Als hätten sie seinen Aufruf erwartet, strömten seine Anhänger dann mitternachts massenhaft auf die Straßen, um die Panzer mit bloßen Händen zu stoppen und einzelnen Soldaten die Kehlen durchzuschneiden. Schlagartig standen die Muezzine auf den Minaretten, um die Gläubigen zur Verteidigung ihres islamischen Präsidenten aus den Betten zu holen.

Binnen weniger Stunden waren zunächst 1.400 und wenig später 3.000 höherrangige Soldaten verhaftet. Im Chaos ein Ding der Unmöglichkeit, wären die Sicherheitsorgane nicht vorab darüber informiert worden, wen sie festzusetzen haben. Die Verhaftungskommandos müssen sich in Alarmbereitschaft befunden haben. Auch die namentliche Auswahl der 2.745 Richter, die gestern abgesetzt wurden, kann nicht ad hoc, in der Schockstarre eines unerwarteten Putsches, geschehen sein. Selbst die Nationalsozialisten haben nach dem gescheiterten Attentat von 1944 Wochen gebraucht, um alle ausfindig zu machen, die sie bei dieser Gelegenheit aus dem Weg räumen konnten.

Ich lass das mal so stehen. Inzwischen wurden über 9000 13000 Beamte entlassen, darunter mindestens 2000 Richter, und über 6000 7500 Menschen festgenommen. Das ist definitiv ein Staatsstreich. Aber wohl kaum ein Militärputsch...

67 Meinungen zu “Falls ihr mal eine andere Meinung zu dem "Militärputsch" in der Türkei lesen wollt”

  1. Vox Populist meinte:

    Das sehe ich anders - das Risiko, dass die Wahrheit eines reinen Operettenputschs wie des Röhm-Putschs von 1934 (als Hitler seine innerparteilichen Widersacher und weitere nationalistische Politiker beseitigen ließ) ans Tageslicht käme, wäre bei der Zahl der Mitwisser und den heutigen technischen Möglichkeiten des Beweismitschnitts und anonymen Whistleblowings viel zu groß (siehe auch die jüngsten Ereignisse in Brasilien, wo ein Geheimtreffen von Militärs und rechten Politikern mitgeschnitten und geleakt wurde).

    Wahrscheinlicher ist, dass eine kleine Clique frustrierter Offiziere diesen Putsch tatsächlich plante, der Geheimdienst durch einen Verräter vorzeitig Wind davon bekam, und diese Putsch-Pläne anschließend mit Doppelagenten vorantrieb, die vorrangig die Putschisten anstacheln sollten, ihre Pläne auch in die Tat umzusetzen, tatsächlich aber loyal zum Staatsapparat standen und Erdogan auf dem Laufenden hielten. Die Putschisten haben ihre eigene Stärke und das Verräterpotenzial der Armee anscheinend völlig überschätzt, was dafür spricht, dass sie entsprechend manipuliert und in eine Honigfalle getrieben wurden.

    Eine derartige Steilvorlage zu sicherlich schon seit längerer Zeit geplanten Säuberungen konnten sich Erdogan und die AKP einfach nicht entgehen lassen. So erklärt sich auch sein Kommentar vom Putsch als "Geschenk Allahs". Die Proskriptionslisten mit tausenden Namen lagen wahrscheinlich schon seit Monaten, wenn nicht Jahren im Giftschrank bereit, um bei einer entsprechend günstigen Gelegenheit wie einem Putsch (oder einem massiven Terroranschlag der PKK) hervorgeholt zu werden. Dass dieser zum Scheitern verdammte Putsch hunderte seiner Mitbürger das Leben kosten würde, dürfte Erdogan herzlich egal gewesen sein - der Mann brüstete sich erst im März damit, bereits 5.500 Kurden umgebracht zu haben - auch dies sind seine eigenen Landsleute, von den hunderten toten Polizisten und Soldaten im Kurdenkonflikt einmal ganz zu schweigen. Ein paar hundert Tote mehr für den Schritt zur unangefochtenen Autokratie und Präsidialherrschaft à la Putin sind für ihn kein Hinderungsgrund.

    Von der EU und den USA werden wir hierzu nicht mehr als die üblichen Lippenbekenntnisse und Appelle hören, welche Erdogan bereits seit Jahren geflissentlich ignoriert. Realpolitik geht vor. Die Amerikaner brauchen die türkischen Landebahnen für ihren Luftkrieg gegen den Islamischen Staat, die EU braucht Erdogan als Torwächter für die Flüchtlinge.

    Immerhin ein Gutes mag dieser Pseudo-Putsch für uns haben: Sollte Erdogan tatsächlich Ernst mit der Wiedereinführung der Todesstrafe machen, sind die EU-Beitrittsverhandlungen endgültig beendet.

  2. da]v[ax meinte:

    Ich finde die derzeitige "Politik" seit etwa 10 Jahren einfach nur noch krank. Und sie wird tagtäglich kranker. Boris Johnson, Donald Trump, Recep T. Ergodan, Vladimir Putin, you name it. Wir werden von paranoiden, machtbesessenen, gewissen- und skrupellosen Irren regiert, aber das einzige, was die Menschen noch auf die Straße treibt, ist ein bescheuertes Tamagotchi-Derivat.

    I mog nimmer.

  3. Peinhart meinte:

    @Vox Populist - sehe ich mittlerweile auch so. Und ich mag auch nimmer.

  4. Spooner meinte:

    Seit "10" Jahren "10"???
    Denk nochmal darüber nach...lächel

  5. Go meinte:

    @ Max

    Schon mal darüber nachgedacht, dass es gelebter Eskapismus sein könnte, wenn Leute sich mit Hypes wie Pokémon Go beschäftigen? Genug Leute haben im Gespür, dass gewaltig viel gewaltig falsch läuft - in Deutschland, Europa und der Welt.

    Die einen fangen an, sich mit Alkohol und anderen Drogen abzuschießen, die nächsten gehen ihrer Sexsucht im Puff oder ihrer Spielsucht im Casino nach, andere wiederum gehen tag ein tag aus shoppen, andere zocken irgendwelche Games, manche werden Aussteiger, wieder andere werden gewalttätig - auch gegen sich selbst.

    Mein Tipp an Dich: Mehr Ficken und Fressen und dazu so oft es geht in Urlaub (auch mal zwischendurch am Wochenende).

    Wer nicht durchdrehen will in diesen Zeiten, der muss sich ablenken, betäuben oder wie auch immer davon überzeugen, dass eigentlich alles gar nicht so schlimm ist da draußen. Alles eine Frage der Perspektive!

  6. da]v[ax meinte:

    @Go: hahaha, danke für den Tipp :lol:

  7. ein anderer Stefan meinte:

    Jemand meinte, es könnte tatsächlich ein Putschversuch von Gülen-Anhängern gewesen sein - das ist vielleicht sogar plausibel. Aber Erdogan würde ich auch eine Inszenierung zutrauen, um die letzten Dissidenten rauszulocken. Und ein paar hundert Tote werden ihn nicht stören, wenn es um sein Ziel geht.

    Aktuell wurden ja 10.000 Leute aus dem Bildungsbereich (Bürokratie und Schulen) rausgeworfen und teils verhaftet. Die Gülen-Bewegung macht sich ja für Bildung stark und baut Schulen. Das würde also gut zusammenpassen.

    Ich glaube nicht, dass Erdogan so dumm ist, offiziell die Todesstrafe wieder einzuführen. Ich gehe eher davon aus, dass etliche der Verhafteten einfach "verschwinden". Die Türkei ist groß genug, um beliebig viele Leute irgendwo zu verscharren. Oder sie werden einfach ins Zuchthaus geworfen und kommen da nie wieder raus. Wie war das mit Folter in der Türkei?

  8. reset meinte:

    @max

    "I mog nimmer."

    ich auch nicht. ich habe deshalb beschlossen aufzugeben. ich habe aufgegeben, gegen den strom zu schwimmen. ich mache jetzt bei allem mit, was die masse gut findet. ich habe mir ein smartphone gekauft und mache so viel wie möglich per smartphone. ich habe aufgehört, mit bargeld zu bezahlen, aufgehört privacy-tools zu nutzen und aufgehört datenspeicherungen zu meiden. ich mache jetzt das, was die meisten tun: nicht nachdenken und überall mitlaufen. das leben wird leichter. es macht weniger unglücklich. man schläft einfach ruhiger.

    und tatsächlich: ich fühle mich schon viel freier. nie mehr darüber nachdenken, welche datenspuren ich überall hinterlasse, nie mehr dinge aus datenschutzgründen nicht tun.

    ich kommuniziere digital so viel wie nie, reise so viel wie nie, habe so viel komfort beim shopping und all den alltagsdingen wie nie zuvor.

    ich lebe in diesem moment meines lebens wieder unbeschwert.

    nachdem ich aufgehört habe, an meinen hauchdünnen fäden zu ziehen und die hauchdünnen grenzen auszutesten, lebe ich wieder frei.

  9. Spooner meinte:

    @reset

    Ja, weil Du Dich verkauft hat, wie alle Verräter und keine Eier in der Hose hast.
    Ich bin stolz darauf meine Ideale weiterhin hochzuhalten und ganz nach "Robert Kurz: "Die einzige Handlungsalternative ist, „eine Kultur der
    Verweigerung“. Dies bedeute, „jede Mitverantwortung für ‚Marktwirtschaft
    und Demokratie‘ zu verweigern, nur noch ‚Dienst nach Vorschrift‘ zu
    machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo immer das
    möglich ist“.
    Und noch so einiges mehr... P-(

  10. reset meinte:

    @spooner

    auch du wirst irgendwann sterben.
    willst du dann dein ganzes leben lang unglücklich gewesen sein beim versuch, deine ideale hochzuhalten?

    du weißt doch ganz genau, dass du gegen die tumbe masse keine chance hast.

    ich habe mir jetzt eine rosarote brille aufgesetzt und lebe mein leben glücklich zu ende.

    you only live once.

  11. Spooner meinte:

    Ich brauch den ganzen Scheiss einfach nicht, hab ich nie gebraucht.
    Das ist eine Frage der Konditionierung und natürlich des ethisch-moralischem Empfindens.
    Als ich 6 Jahre alt war, hatte ich das erste Mal bemerkt, das ich wohl nie dazugehören werde und dann hab ich aus der Not halt eine Tugend gemacht. lächel

    Ach..und unglücklich bin ich auch nicht, das nur mal so nebenbei...
    Den hab ich mal hier oder in einem anderen Forum abkopiert...gar nicht so dumm .
    Ich kann mich gut darin widerfinden...

    Passiver Widerstand, ein paar Gedanken dazu.

    Die Grundnahrungsmittel in der Umgebung kaufen, achtet auf “Faire Trade”, wie zum Beispiel bei der Teekampagne, in Berlin.
    Kauft keine neuen Autos mehr, denn die alten sind meist viel billiger.
    Das ist mein Spezialgebiet, ihr könnt mir glauben, dass die neuen Autos
    allesamt eine Hightech-Wegwerf-Ware darstellen.
    Glaubt nicht an den Quatsch von Abgasnormen, niedrigeren Co2 Ausstoß, ist, wie man mittlerweile weiß, nur Volksverdummung.
    Die Verordnungen sind wie mit der Feinstaubplakette und vielen Anderem auch, eine absolute Verarschung.
    Breitbandbildschirme, Handys, PC´s auch mal ein paar Jahre länger benutzen, viele technische Geräte braucht sowieso kein Mensch.
    Erteilt dem Konsum eine klare Absage, kauft keine “Apple” Produkte mehr
    und kauft nicht bei Amazon, keine Markenklamotten, tankt
    kein E10 und spendet nicht an den WWF!!!(Der Pakt mit dem Panda anschauen).
    Reden, Diskutieren, Stellung beziehen….informiert euch….Und sucht nicht mehr mit “GOOGLE” sondern z.B. mit “IXQUICK” und stellt euer Betriebssystem endlich auf “LINUX” um.
    Kein Facebook, kein Twitter, Apple, GOOGLE, Instagramm und änliches, denn die sind alle direkt vernetzt mit der NSA.
    Organisiert euch in Foren die nicht eure Daten Sammeln!
    Macht euch mit dem "TOR" Programm vetrtraut!!
    Keine Aktien und Börsenspekulationen, nehmt nicht vorschnell Kredite auf, am besten ihr verzichtet ganz darauf.
    Vergesst nicht, dass unser gesamtes System auf Kredite und unbegrenztes Wachstum aufgebaut ist.
    Treibt wieder Tauschhandel wenn irgend möglich.
    Das gleiche gilt für die Kreditkartenbenutzung und auch keine Smartphones, benutzt wieder Bargeld, das ist nicht zurück zu verfolgen.

    Schaut mal nach, ob ihr wirklich all Eure Versicherungen überhaupt braucht, die ihr Euch in all den Jahren angeschafft habt.
    Wenn die Menschen nur noch das kaufen würden, was sie wirklich
    benötigen, wird sich dieses System ganz schnell als ad acta bestätigen.

    Fazit: (Nach Robert Kurz) Die einzige Handlungsalternative sei „eine Kultur der
    Verweigerung“. Dies bedeute, „jede Mitverantwortung für ‚Marktwirtschaft
    und Demokratie‘ zu verweigern, nur noch ‚Dienst nach Vorschrift‘ zu
    machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo immer das
    möglich ist“.

    Ach, und holt euer Geld von der Bank, falls ihr noch Welches habt…
    Lest The Intercept, Fefes Blog und schaut euch den Volker Pispers an

  12. Stony meinte:

    @Spooner: Deine Sockenpuppen-Stricktechnik läßt zu wünschen übrig.

  13. da]v[ax meinte:

    @reset: womit die Frage, die da oben über dem Blog steht (wenn man komplett hoch scrollt), von Dir deutlich mit "JA" beantwortet wäre...

    Nee sorry, da kann ich nicht mit machen. Sämtliche Ideale über Bord zu werfen und dem Teufel in die Arme zu spielen, das bringe ich einfach nicht übers Herz. Ganz so krass wie Spooner kann und werde ich das sicher nie tun (ein Leben ohne Amazon geht für mich echt nicht mehr), aber jeden Scheiß bedingungslos mitzumachen, kriege ich eben auch nicht hin. Dazu habe ich "Idiocracy" zu oft gesehen...

  14. reset meinte:

    @max und spooner:

    um das klarzustellen, damit wir uns nicht falsch verstehen:
    ich bin weitestgehend eurer meinung. ich sehe all die probleme unserer zeit. ich habe mich weder verkauft oder verraten noch bin ich ignorant.

    aber: ich will nicht den rest meines lebens unglücklich und voller stresshormone einen ewigen kampf als außenseiter oder gar als wegen abweichendem verhalten verdächtiger führen. ich will nicht den rest meines lebens ein einsames dasein als aussätziger fristen.

    es ist eine bewusste entscheidung, den widerstand, das anderssein, das gegen-den-strom-schwimmen oder wie auch immer man das bezeichnen mag, aufzugeben.

    you only live once. never forget that.

    denkt mal kurz darüber nach, dass ihr irgendwann sterben werdet.
    und denkt dann darüber nach, wie ihr den rest eures lebens verbringen wollt.
    denkt daran, was ihr alles verpasst, welche erfahrungen, welche gefühle ihr nie erleben werdet, weil ihr in eurem konkon aus datensparsamkeit und widerstand gegen das system eingezwängt wart.

    nie mehr reisen, weil man gerade auf reisen unmengen an datenspuren hinterlässt?
    nie mehr eine partnerin/einen partner zum lieben, weil die meisten potenziellen partnerinnen/partner eher nicht so überwachungskritisch und datenschutzbewusst wie wir sind?
    nie mehr den traumjob ausüben, weil dieser mit vielen datenspuren (diensthandy, dienstreisen, webpräsenz, veranstaltungen) einhergeht?

    viele dinge, die das leben lebenswert machen, sind heute nur mit massiven datenspuren möglich.

    es ist eben nicht konsens im sozialleben auf datenschutz zu achten. hier ein foto gemacht und irgendwo hochgeladen, dort namen, adressen und telefonnummern von freunden gestreut.

    ich weiß, dass es eine schwere einsicht ist. ich weiß, dass ich mir auch eine andere lebenswirklichkeit bzw. eine andere welt wünschen würde.

    aber der mensch kann und muss sich anpassen. natürlich gibt es grenzen. natürlich reden wir immer noch über das heutige deutschland, das trotz aller probleme und missstände nicht mit der ddr oder der nazi-zeit vergleichbar ist.

    vielleicht ist es derzeit noch leicht, sich für das mitlaufen zu entscheiden, weil wir eben (noch nicht wieder) eine totalitäre gesellschaft bzw. diktatur haben, weil wir eben (noch) keinen massenhaft spürbaren datenmissbrauch haben, weil wir eben in der breite (noch nicht wieder) einen willkür- und unterdrückungsstaat haben.

    wenn ich irgendwann sterbe, werde ich als einzelner nicht die welt gerettet und die technlogische entwicklung mit all ihren überwachungsnebenwirkungen nicht aufgehalten haben.
    aber ich werde spätestens am sterbebett schmerzlich erkennen, dass ich mein leben immer mit angezogener handbremse, mit der alles durchziehenden datensparsamkeit und systemkritik gelebt habe.

    dann werde ich erkennen, was ich in meinem leben alles an erfahrungen und glücksgefühlen (liebe, freundschaft) verpasst habe.

    ich lebe nur einmal. ich will nicht unglücklich sterben.

  15. da]v[ax meinte:

    @reset: Meine Welt ist nicht nur schwarz oder weiß. Mir ist klar, dass ich nicht 100%ig "korrekt" leben kann (es sei denn, ich zöge als Eremit in den Wald, aber das ist ja auch keine Alternative), aber das ist für mich noch lange kein Grund, "YOLO!!1!" zu brüllen und mich zu 100% dem Mainstream hinzugeben.

    Ich kann über Mainstreammucke verzweifeln und freue mich dann über sowas.

    Ich kann den Überwachungsstaat anprangern, ohne der Paranoia anheimzufallen.

    Ich kann Riesenveranstaltungen hassen, Verkleidungen doof finden und trotzdem da hin gehen. Weil's geil's.

    Und so weiter.

    Aber die Einstellung "ich kann nix ändern, also mache ich eben mit" hat uns - sorry für den Godwin, aber du hast es ja selber schon angedeutet - das 3. Reich beschert. Und da mach' ich nicht mit.

    Ach und: ich habe kein Problem damit, als Außenseiter gebrandmarkt zu werden. Das ist eh' die Story of my Life, das bin ich schon gewöhnt. Ich höre Metal, Punk, Techno: alles Dinge, die vom Mainstream abgelehnt wurden/werden. Ich finde Markenklamotten scheiße, ich kann mit RTL nix anfangen, ich kann bei Fußball nicht mitreden. Macht mir gar nix. Denn: es gibt viele "Dissidenten" und mit denen habe ich mehr Spaß als an Karneval mit 10.000 Trotteln in die Lanxess-Arena zu rennen und zu dämlicher Musik und flachen Witzen Kölsch zu saufen. For that matter: ich hasse Kölsch und die ganzen Lokalfaschisten hier in Kölle gehen mir zwar auf den Zeiger, aber deshalb fange ich nicht an, diese Plörre zu saufen.

    Ja, ich merke inzwischen, dass ich als Facebook-Außenseiter vom sogenannten "Sozialleben" inzwischen zu einem großen Teil abgeschnitten bin. Aber dann ist das eben so.

    Jeder wie er mag, aber ich werde nicht wie ein toter Fisch mit dem Strom schwimmen, nur, weil es bequem ist.

    Und bitte glaube mir: ich erfahre in meinem Leben Liebe und Freundschaft. Ganz ohne Facebook, Paypal, RTL, Fußball, GNTM und Die Höhner. Das geht schon (noch).

    PS: ich bin immer wieder überrascht und erfreut, dass sich hier in der Kommentarspalte hin und wieder wirklich sinnvolle Diskussionen ergeben, auch, wenn's komplett am Artikelthema vorbei geht.

  16. Spooner meinte:

    @Stony:

    Und, wo ist die Begründung?
    @All
    Ich reise sehr viel mit meinem Auto oder mit dem Motorrad, ganz ohne Daten zu hinterlassen, zahle Bar, hatte nie eine Kreditkarte und auch niemals eine Kravatte an.
    Lebe mit 2 Frauen die ganz ähnlich drauf sind, treibe viel Sport, keine Kids wegen der Überbevölkerung.
    Ich bin bei und mit den 68ern aufgewachsen, daher mein Hintergrund...

  17. sehr schön meinte:

    Ob Metal und Techno jetzt unbedingt Außenseiterdinge fernab vom Mainstream sind, beantworten dir ja prinzipiell gern die Charts (Spoiler: nee), aber prinzipiell stimme ich dir sogar mal zu: Es sollte ausreichen, sich bewusst zu sein, wie man mit seinen Daten umgeht. Digitales Einsiedlertum ist ein Oxymoron, Datensparsamkeit in angemessenem Maße aber eine geile Sache. Ich spiele auch kein Pokémon und verstehe mich trotzdem ganz gut mit Leuten, die gar kein anderes Hobby mehr haben.

  18. reset meinte:

    @max

    danke für deine antwort (und den eigenen blogartikel, der auf diese diskussion hier hinweist).

    ich möchte nochmal etwas klarstellen:
    mir geht es nicht darum, "100% korrekt" zu leben. es geht mir nicht um "schwarz oder weiß".
    selbst als datensparsamer und systemkritischer mensch habe ich ja bislang auch nicht "perfekt" gelebt. aber mein lebensstil (so will ich es mal zusammenfassend nennen) war eben doch deutlich vom durchschnitt abweichend (gerade wenn es um datenschutz/privatsphäre/überwachungskritik geht).

    es geht mir um die spürbaren nachteile, die ich mit meinem bisherigen lebensstil hatte. weniger sozialleben, weniger berufliche chancen, weniger erlebnisse/glücksmomente.

    was für die meisten anderen mitmenschen keine sekunde ein problem darstelle, ob im geschäft mit karte zahlen, online-shopping, flugreisen mit datenvollerfassung, smartphones und whatsapp, facebook und twitter, linkedin und xing, immer wieder fotos/videos machen und posten, "nichts zu verbergen haben" - all das war für mich immer ein problem.

    wenn man andere darauf anspricht, wird man entweder ausgelacht und nicht ernst genommen, als paranoid und beinahe schon verrückt erklärt oder sogar verdächtigt, kriminell zu sein.

    respekt, rücksicht oder gar verständnis gegenüber meinem abweichenden verhalten, gegenüber meiner andersartigkeit - all das war eher selten.

    das ergebnis war ein permanenter kampf, voller stresshormone, mit deutlich reduzierter lebensqualität. gegen den strom zu schwimmen hat einen preis. ich habe diesen preis nicht mehr zahlen wollen und können.

    max, bei euch in köln gibt es ja dieses motto "jeder jeck ist anders". vielleicht erlebst du dort ja mehr toleranz gegenüber deinem anderssein. da wo ich lebe, hat mein lebensstil zur spürbaren gesellschaftlichen und beruflichen ausgrenzungen und nachteilen geführt (z.B. "wie, sie haben kein smartphone? dann bekommen sie den job nicht." oder "wie, ich kann dich nicht per whatsapp erreichen? dann können wir schlecht freunde werden.").

    mir geht es schlussendlich also nicht um reinen komfort, nicht um bequemlichkeit als selbstzweck, sondern um ein stressfreieres und glücklicheres leben.

    und noch was: bei allem respekt, max.
    die dinge, die du da oben aufzählst, sind für mich eine andere kategorie.
    ob man kölsch mag oder lieber pils, alt oder weizen. ob man karneval mag oder fußball oder konzerte, theater, kino, privatfernsehen, videogames. das sind für mich nuancen, wo man jeweils genug gleichgesinnte findet, um z.b. ein ausgefülltes sozialleben zu haben.
    wenn man aber z.b. gar keinen alkohol mag/verträgt und nicht etwa nur die biersorte ein "problem" ist, dann wird es gesellschaftlich je nach dem schon schwieriger mit der "mainstreamfähigkeit". dann überlegt man vielleicht, mit dem alkohol trinken anzufangen, um nicht außenseiter zu bleiben (so als analogie für das ganze diskussionsthema hier).

  19. Spooner meinte:

    @ reset

    Welcher Generation gehörst Du denn an hm?
    Oh, ich vergaß Ich trinke ebenfalls keinen Alkohol und hab auch nicht vor damit anzufangen.

  20. reset meinte:

    @spooner

    zu welcher generation ich gehöre, möchte ich dann doch nicht hier öffentlich preisgeben.
    und das mit dem alkohol sollte als analogie/beispiel dienen.

  21. Spooner meinte:

    Du kannst Doch mal ein paar Datenspuren hinterlasssen indem Du dein Alter preisgibst. >:-)

  22. Mordred meinte:

    Alter 37.
    Ich sehe mich genau zwischen spooner und reset.
    meine devise ist, sich über alles, was ich nutzen/konsumieren möchte, vorher 2mal nachzudenken. das schließt jedes produkt inkl. webdienste, apps, online-shopping, autos usw usf. mit ein.
    nachdenken bedeutet hier kosten-nutzen-abwägung. für mich hat bspw. amazon prime oder google maps jeweils extremen nutzen. da nehme ich überwachung in kauf.
    facebook? for what? whatsapp, sms, telefon, email reichen sowas von locker, um mehr als genug kommunikation und aufrechterhalten von privaten beziehungen zu betreiben.
    auto? neuwagen, aber billigstmarke und dann nutzung, bis die karre den geist aufgibt. also minimum 10 jahre. denn ich schraube nicht selber und bin stark auf ein auto angewiesen.
    das problem mit abweichenden verhalten sehe ich nicht so stark, was aber vielleicht auch nur an meinem persönlichen mikrokosmos liegt. facebook hat da fast keiner und es gibt sogar leute ohne whatsapp. dinge wie email und mobiltelefon haben aber nunmal für mich extremen mehrwert.
    bewusst (!!!) shoppen. trends? meist total irrelevant.

  23. Lycalopex meinte:

    Also ich find es ja nicht unerheblich geil nicht alles mitzumachen. Weil - man lebt ja nur einmal. Und diese ganzen Erfahrungen die sich einstellen wenn man sich verweigert, Alternativen sucht und alles aus einer Außenposition betrachten kann - unbezahlbar...

    Ey kommt mal runter. Am Schluß wird nicht abgerechnet, nur gestorben. So ein fades Gefühl, nicht alles richtig gemacht zu haben, könnte da jeder haben. Meine Erleben dazu: Mainstreameignung ist genauso vorgeburtlich (aber allerspätestens mit der Pubertät) festgelegt wie Sexualpräferenz. Das hält mich davon ab einen Großteil meiner sozialen Umgebung feynsinnig als "Gewürm" bezeichnen oder sogar erleben zu müssen. Und was vorgeburtlich nicht festgelegt ist, ist spätestens bis zur Volljährigkeit durch "Erziehung & Bildung" gut zementiert. Selbst mit externer Hilfe fände es sich da nur ganz schwer heraus/herein...und derlei erfolgsarme Versuche - die machten unglücklich.
    Dass (aus Außenseitersicht ist das sicherlich deutlicher wahrzunehmen) Mainstream als Massenphänomen gut erforschbar ist und die Ergebnisse zum Zweck der Gesellschaftslenkung eingesetzt werden - das ist nicht die Schuld derer, die in irgendeiner Gaußschen Glockenkurve den dicken Mittelteil repräsentieren.

  24. Spooner meinte:

    @Lycalopex
    Geil wird es m.E. wirklich erst, wenn man dieses System aktiv sabotiert. (Siehe oben das kurze Zitat von Robert Kurz)

  25. Lycalopex meinte:

    @Spooner: dein Erachten ist dann wohl nix für mich.. Hatte ja versucht klar zu machen, dass da nix mit 'einzig' und als recht nichts mit Alternative ist. Für die meisten (Mainstream) ist umdenken schlicht nicht möglich. Das schließt natürlich nicht aus, dass 'anti' für dich richtig geil ist. Aber warum schreibst'dn da nicht "..für mich.."?

  26. Spooner meinte:

    @ Lycalopex
    Deswegen schrub ich ja auch "m.E." lol
    Aber so könnte sich m.E. etwas ändern.
    Es braucht nur genug Leute, die nicht nur in ihrem stillen Kämmerlein, sondern aktiv etwas tun, sich zusammenschließen und ganz regional dagegen vorgehen.
    So wie andere Leute zum Fußball gehen oder Publicviewing betreiben...so einmal die Woche, wenn z. B. gerade Bundesliga im TV läuft...
    Manchmal bedarf es nur Kleinigkeiten um den Betrieb einschneidend zu sabotieren, wirklich probiert es mal aus...lächel

  27. Jens meinte:

    @ Reset

    Ich habe so ein bisschen das Gefühl, das Du von uns hier die Absolution bekommen willst, dass Deine Entscheidung und Deine Richtungsänderung schon in Ordnung sind. Diese Absolution wirst Du jedoch beim hiesigen Publikum kaum bekommen. Wenn Du besser damit leben kannst, dass Du Dich vom "System" hast brechen lassen...

  28. Twinnie meinte:

    Ich persönlich kann die Einstellung von reset gut nachvollziehen. Ich selber war in der Vergangenheit in einigen Projekten involviert aber inzwischen bin ich den Sturm gegen die Windmühlen leid und muss sagen: Es interessiert mich einfach nicht mehr!

    Ich lese keine Zeitung mehr und schaue kein Fernsehen und vor allem keine Nachrichten mehr. Es ist so wunderbar entspannend sich nicht jeden Tag um 20:00 Uhr aufregen zu müssen und genau zu wissen das sich eh nichts großartig ändern wird. Ja... Details werden angepasst wenn es Gegenwind gibt... aber im Kern erreichen "die da oben" über die Zeit mit Umwegen und Tricks genau das was sie wollen. Steter Fluss hölt den Stein und so...
    Ich mache jetzt mein Ding und lasse das da draussen an mir vorbeifliessen und blende den totalen Irsinn der sich momentan auf der Welt abspielt soweit es geht aus.
    Wenn jemand wie Trump Präsident werden kann (und ich wette er wird es) ist eh Hopfen und Malz verloren. Ich erwarte in nicht allzu ferner Zukunft einen großen Knall der die Welt wirklich ändern wird... aber bis dahin können sie mir alle mal gepflegt den Buckel runterrutschen und versuche mein Leben mit meinen Lieben so gut es geht zu geniessen. Das Leben ist zu kurz um es sich vom Wahnsinn der Welt diktieren zu lassen.

  29. Spooner meinte:

    Mal etwas Lyrik zum auflockern zwischendurch kann sicher nicht schaden...schmunzel

    War einmal ein Revoluzzer
    im Zivilstand Lampenputzer;
    ging im Revoluzzerschritt
    mit den Revoluzzern mit. Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘
    Und die Revolüzzermütze
    schob er auf das linke Ohr,
    kam sich höchst gefährlich vor.“

    Noch eins:
    "Ich hab's mein Lebtag nicht gelernt,
    mich fremdem Zwang zu fügen.
    Jetzt haben sie mich einkasernt,
    von Heim und Weib und Werk entfernt.
    Doch ob sie mich erschlügen: Sich fügen heißt lügen!"

    Erich Mühsam

  30. Olaf meinte:

    @ Reset

    Menschen wie Du:

    - haben die Nazis groß und mörderisch gemacht,
    - haben in der DDR die Nachbarn, Kollegen, und nicht selten auch Familienangehörige, an die Stasi verraten - manchmal auch mit dem, was sie nicht taten,
    - machen die NSA zum größten und mächtigsten Geheimdienst, den die Welt je gesehen hat (und so gar nicht braucht),
    - sind verantwortlich dafür, dass im Jahr 2013 ca. 100 bis 150 Millionen Tonnen Abfälle in den Meeren schwammen und wovon 60 % Plastik war,
    - leben gänzlich ungeniert und philosophieren über ihre Zufriedenheit am Sterbetag, während im Mittelmeer, dem Nahen Osten, Syrien, Afghanistan und an noch so vielen anderen Orten, gerade Millionen Menschen mehr als zufrieden wären, würde ihr Sterben endlich aufhören.
    - *.*
    - *.*
    - *.*

    Menschen wie Du sind verantwortlich, dass die Welt ist wie sie ist.

    Von mir bekommst Du keine Absolution und Verständnis erst recht nicht. Weil ich egoistische Opportunisten einfach nicht verstehen kann.

    Ich möchte Dir wirklich nicht zu Nahe treten und ich würde mich für Dein Recht so sein zu können erschießen lassen. Aber gut finde ich Deine Sicht auf die Welt nicht. Es ist einfach nicht die Zeit dazu, auch wenn der Zeitgeist anderes vorzugaukeln vermag.

  31. reset meinte:

    @olaf

    hast du alle meine kommentare oben gelesen?
    ich sehe genauso wie du, was alles schief läuft in der welt. ich sehe auch die historischen zusammenhänge (DDR, Nazi-Zeit).
    auch wenn du mir kein verständnis zeigst, kann ich deine harsche reaktion durchaus verstehen.

    ich habe ja bisher auch widerstand geleistet, indem ich eben vieles nicht mitgemacht habe, gegen den strom geschwommen bin und getan habe, was in meiner macht stand. aber zu welchem preis?

    vielleicht bist du stärker, den ewigen kampf gegen das schlechte in der welt bis zu deinem lebensende fortzusetzen. vielleicht bin ich egoistisch, wenn ich nicht unglücklich und vollgepumpt mit stresshormonen sterben will.

    ich habe den inneren kampf verloren. ich konnte nicht mehr weitermachen wie bisher - als abweichler, aussätziger und außenseiter.

    wir sind keine maschinen - du nicht, ich nicht. manche sind stärker, manche sind schwächer. kolleratalschäden gibt es immer wieder. ich wollte nicht zum kollateralschaden werden.

  32. Stefan G. meinte:

    "leben gänzlich ungeniert und philosophieren über ihre Zufriedenheit am Sterbetag, während im Mittelmeer, dem Nahen Osten, Syrien, Afghanistan und an noch so vielen anderen Orten, gerade Millionen Menschen mehr als zufrieden wären, würde ihr Sterben endlich aufhören."

    Und wenn ich ein Ding dagegen tun könnte, würde ich das machen. Nach 30 Jahren "aktivem Versuch" gestehe ich mir ein, zu behaupten: Kann ich mit meinen Mitteln nicht...

    Und nun? Soll ich's deiner Meinung nach für den Rest meiner Zeit weiter unzufrieden versuchen oder das Feld für die Generation räumen, die sich noch nicht daran abgearbeitet hat?

  33. Olaf meinte:

    @reset: Ich führe keinen Kampf gegen irgendwas oder irgendwen, denn ich habe weder die Kraft noch das Know How dazu. Auch finde ich es nicht gerade klug Kämpfe zu führen, die ich nicht gewinnen kann oder bei welchen die Anderen nur mit "schlagenden Argumenten" zu überzeugen sind.

    Die Wahl, die ich habe, heißt nicht alles mitzumachen was von mir erwartet wird oder wozu ich verführt werden soll. Ich nehme mir die Freiheit nein zu sagen auch wenn das manchmal Konsequenzen hat, die mir mehr Arbeit oder Stress machen, als wenn ich mitgeschwommen wäre.

    Nicht der innere Kampf ist wichtig, sondern die innere Ruhe. Solange Du kämpfst kannst Du nur zwischen verlieren oder aufgeben wählen. Die Gegner/Probleme sind einfach zu mächtig.

    Allerdings ist die Position des Außenseiters nicht die schlechteste, weil Du die Dinge von Außen betrachten kannst.
    Woran ich zweifle ist, dass Du ein Außenseiter bist nur weil Du kein Smartphone benutzt, nicht bei Facebook bist oder keine Billigklamotten im H&M einkaufst. Rücksichtnahme, bis hin zu den noch Ungeborenen, macht Dich nicht zum Außenseiter. Es verschafft Dir höchstens neue Freunde. ;-)

    @Stefan G.:

    Nee, sollst Du nicht. Wenn Du es 30 Jahre lang aktiv versucht hast, dann kennst Du das Mindestmaß von dem, was man dagegen tun kann. Z.B. bei jeder Gelegenheit Partei für diese Menschen ergreifen, vor allem auch dann, wenn es unbequem wird. Und was die Generationen betrifft, die sich noch nicht daran abgearbeitet haben; es ist alles eine Frage der Erziehung (oder unseres Verhaltens, weil die Kinder den Erwachsenen eh alles nach machen.)

    Konkreter gehts nicht, küchenpsychologisch betrachtet finde ich es aber in Ordnung. ;-)

  34. reset meinte:

    @olaf

    "Woran ich zweifle ist, dass Du ein Außenseiter bist nur weil Du kein Smartphone benutzt, nicht bei Facebook bist oder keine Billigklamotten im H&M einkaufst."

    außenseiter *war*. seitdem ich viele dinge anders mache als früher, hat sich auch einiges in meinem leben positiv verändert (siehe meine vorherigen kommentare). seit ich ein smartphone und einen facebook-account habe, werde ich nicht mehr schief angeschaut, beruflich wie privat. ich bin beliebter und sozial integrierter als je zuvor. der kontakt zum anderen geschlecht ist so gut wie nie. auch keine verdächtigungen mehr, was ich denn zu verbergen hätte.

  35. Spooner meinte:

    Ich könnte niemals "zufrieden" sein, wenn ich mit dem Strom fahren würde.
    Ich könnte keine Nacht mehr ruhig schlafen, ganz allein meinem ethisch-moralischem Verständnis geschuldet.
    Ich vermisse Facebook und Konsorten nicht, noch habe ich das Bedürfniss etwas anderes mit meinem mobilen Gerät zu machen, als zu telephonieren.
    Es existiert kein Photo von meinem Antlitz im Netz, denn meine Freunde wissen wie ich aussehe.
    Ich möchte nicht, das jemand weiß wo ich was gekauft habe, egal ob das Benzin oder ein Eis beim Discounter ist.
    Kredite und Wetten halte ich für amoralisch und nicht zu empfehlen, da das herrschende System daran erstarkt.
    Ich tummle mich Anonym in Foren und suche mit Suchmaschinen die NICHT meine Daten sammeln und an Dritte weiterverkaufen.
    So bin ich einfach durch die 68er konditioniert worden.
    Die Art unseres Zusammenlebens in Paarbeziehungen halte ich für antiquiert und lebe lieber in einer ganz offenen Beiehung mit mehreren Frauen und das schon seit über 30 Jahren.
    Ich habe in meinem Umfeld bisher immer Leute gefunden, die mich in jeder Hinsicht unterstützen und tragen.
    Gerade die Damen bewundern mich im Regelfall und meine Einstellung zum Leben.
    So von wegen, man findet keine Leute wenn man anders ist...alles blödsinn.
    Meine selbständige Tätigkeit erfülle ich nachhaltig und im Interesse meiner Kunden soweit es nach bestem Wissen und Gewissen möglich ist und auch dort bekomme ich immer noch genügend Annerkennung um weiterzumachen.
    Ich reise viel, spreche mehrere Sprachen, kann mich fast überall in der Welt zurechtfinden und notfalls auch mal eingreifen wenn es mir notwendig erscheint.
    Ich habe einigen Leuten in meinem Leben kräftig auf die Füsse getreten und werde es auch weiterhin fortsetzen und bin wirklich stolz darauf ein wenigstens halbwegs aufrechtes Leben geführt zu haben, selbst wenn es morgen zuende gehen sollte.

    Just my two cents

  36. Rainbow meinte:

    @ all

    Wow. Was für eine Diskussion. Wo auch immer jeder Einzelne hier stehen mag, danke für diese Einblicke und Ansichten. Das sieht man viel zu selten in Zeiten von "Hasskommentaren". Ich hoffe, dass es noch ein bisschen weitergeht. :-)

  37. Vox Populist meinte:

    Aus Gründen der geistigen Gesundheit halte ich es für essenziell wichtig, sich immer zu vergegenwärtigen, dass wir nicht in einer dunklen Ära leben, sondern in der besten Zeit, welche die menschliche Zivilisation bisher genossen hat. Niemals gab es mehr Frieden und Wohlstand, weniger Gewalt, Krieg und Armut als im Hier und Jetzt. Das sind statistisch belegte Fakten, zum Beispiel durch die erfüllten UN-Millenniumsziele, die beständig ansteigende Lebenserwartung in Entwicklungsländnern wie in Industriestaaten, die zurückgehende Gewaltkriminalität und Kriegsopfer im Vergleich zu früheren Generationen. In den sechs Jahren des Zweiten Weltkriegs alleine kamen weit mehr Menschen ums Leben als in allen Kriegen in den darauffolgenden siebzig Jahren zusammengenommen.

    Uns kommt es so vor als wäre das Gegenteil wahr, weil wir Heute durch das Internet über Krisen, Krieg und Terror aus den hinterletzten Winkeln der Welt informiert werden, da überall immer Smartphones vorhanden sind um das Elend zu dokumentieren. Wenn vor 30 Jahren zwanzigtausend Menschen bei einem Erdbeben im Iran oder in China umkamen, bekamen wir davon praktisch Nichts mit. Es dauerte Wochen, bis das Ausmaß der Tschernobyl-Katastrophe langsam sichtbar wurde. Terroranschläge gab es ebenso laufend, sie fanden nicht einmal ihren Weg in die Tagesschau. Heute können wir uns mit wenigen Klicks so detailliert über die Tragödien in jedem Erdteil informieren, als wären sie in unserer Nachbarschaft geschehen.

    Als Gegengift zum Pessismismus empfehle ich daher, regelmäßig Seiten wie This Week in Science aufzusuchen und sich in ruhigen Momenten ab und zu den wunderbaren Carl Sagan anzuhören.

    Die Menschheit ist Heute weit weniger ignorant und provinziell als sie das noch vor hundert oder gar tausend Jahren war - sie wird in hundert oder gar tausend Jahren weit weniger provinziell sein, als sie es Heute noch ist.

    Unser Job besteht darin, dafür zu sorgen, dass es diese zukünftigen Generationen geben wird - indem wir den nuklearen Holocaust vermeiden und ihnen eine (Um)Welt bewahren, in der sie leben können.

  38. Spooner meinte:

    @Vox Populist:

    Es hat in keiner Zeit der Geschichte so viele Brennpunkte auf einmal gegeben wie heute.
    Rein ökologisch gesehen sind wir schon fast am Ende angelangt.
    Die kommenden Generationen, solang es noch welche geben wird, müssen dann dieses Desaster verwalten.
    Atommüll. Plastikmüll, die Übersäuerung des Bodens, die stetige Abnahme des noch sauberen Grundwassers und das Aussterben von täglich etwa 150 Tier und Pflanzenarten tun ihr Übriges.
    Selbst der Sand wird knapp, da wir weiterhin unsere Welt mit Beton zupflastern und nichts aber auch gar nichts gegen die Überbevölkerung unternehmen.
    Ich bin froh, das ich nicht erst jetzt geboren wurde.

  39. Lycalopex meinte:

    @Vox Populist: Aus Gründen der geistigen Gesundheit... Dickes Ding, sich mit einem derart verlogenen Mantra täglich das Oberstübchen zu bestuhlen. Aber bei den meisten geistigen Erkrankungen ist der Betroffene vom Erkennen dieser ausgeschlossen.
    Eine Bekannte erzählt auch immer genau den gleichen Quatsch - und ist das halbe Jahr wegen Depressionen krankgeschrieben ..geistige Gesundheit..tsss

  40. Spooner meinte:

    Im Nachhinein glaube ich, das Vox Populist uns verarschen wollte, denn so'n Mist höre oder lese ich nur von eingefleischten Anhängern des Neoliberalimus und zwar von denen, die von dem System noch profitieren, aber nicht in deratigen Foren schreiben wie es hier der Fall ist.

  41. da]v[ax meinte:

    @reset:

    auch keine verdächtigungen mehr, was ich denn zu verbergen hätte.

    Hurra, der Faschismus hat gewonnen. Und es ist jemand glücklich dabei. Sorry, aber nee.

    Eigentlich wollte ich noch auf ein paar Dinge eingehen, aber nach den Statements, die hier gefallen sind, habe ich da gar keine Lust mehr zu.

    Du hast den "inneren" Kampf aufgegeben. Okay, schön für dich. Aber dann sieh auch ein, dass es Menschen wie du sind, die die kaputten Zustände mit zu verantworten haben, ob du dabei glücklicher bist oder nicht.

  42. Stefan G. meinte:

    "Hurra, der Faschismus hat gewonnen."

    Der Faschismus hatte immer schon gewonnen.
    Weil er so schön bequem ist und ihn alle wollen... Außer halt denen, die gerade unter ihm leiden oder so blöd sind, ihr Hirn zu benutzen...

    Der Unterschied ist nur, wer den Widerstand wann aufgibt. Das ist halt bei jedem anders. Die meisten versuchen es erst gar nicht, viele geben schnell auf, manche erst sehr spät, wenige nie...

  43. ninjaturkey meinte:

    Sorry, bin etwas spät in die Diskussion gekommen. Meine zwei Cent sind diese:

    Wenn man keine Kinder (Freunde, ...) hat ("wegen der Überbevölkerung®"), denen man Vorbild sein, die man supporten und die man stark für deren eigenes Leben in der Welt machen möchte, dann mag man natürlich leben als ob es kein Morgen gäbe. Nur - es gibt ein Morgen. Immer. Für jeden, auch für den guten reset und seine zwei Frauen. Mögest Du auch dann Dein zunehmend kleiner / übersichtlicher werdendes aber dafür total leichtes Leben (aka "Leben light") genießen. Viel wird es nicht mehr sein.
    Ich habe mein Leben lieber etwas ungemütlich. Dafür groß uns bunt. In Farben, die ich mir wähle. MEIN Leben eben.

  44. da]v[ax meinte:
  45. Spooner meinte:

    @ ninjaturkey
    Ich glaub Du hast da was verwechselt....es sind 3 Frauen :-*

  46. ninjaturkey meinte:

    @44. da]v[ax, @45. Spooner:

    Schau an.
    Ändert aber grundsätzlich nichts an meinem Beitrag.
    Ich hab´ohnehin alle lieb.
    ;-)

  47. Vox Populist meinte:

    Ich finde es immer wieder interessant, wie man von vermeintlich "progressiven" "Linken" sofort mit Unterstellungen und Strohmannargumenten plakatiert wird, sobald man auch nur ein wenig von der Orthodoxie abweicht - und sei es durch so etwas Banales wie dem Kult um den stets kurz bevorstehenden Weltuntergang faktenbasierten Zweckoptimismus entgegenzusetzen. In dieser Borniertheit unterscheidet sich manch "Linker" auch nicht von anderen Weltuntergangsjüngern wie den Zeugen Jehovas.

    Ich setze dagegen, dass sich niemals mehr Menschen für eine bessere, fortschrittlichere und gerechtere Welt eingesetzt haben und sie niemals besser miteinander vernetzt waren als Heute. Manche Schweinerei von der wir im Vor-Internetzeitalter niemals erfahren hätten wird dadurch verhindert oder zumindest erschwert.

    Selbstverständlich sind das immer noch viel zu wenige Menschen die sich einer großen, apathischen Masse unkritischer Konsumenten gegenübersehen, aber keiner von uns, die wir uns zu dieser kritischen Minderheit zählen, ist einsam und alleine in diesem Kampf. Das macht mir Mut und Hoffnung auf eine bessere Zukunft und gibt mir die Kraft, mich auch weiterhin zu engagieren.

    Man darf sich vom Pessismismus nicht auffressen lassen, sonst ist die innere Emigration oder eine völlige Kapitulation à la Reset irgendwann unausweichlich, da einem die Kraft für das Weiterkämpfen ausgeht. Dieses System ist trotz der für Jedermann sichtbaren Abgründe deshalb so erfolgreich, weil es Jeden zum Komplizen macht und den meisten Menschen das Gefühl gibt, sowieso nur ein kleines Rädchen in einer großen Maschine zu sein, das sowieso nichts ändern kann. Millionen engagierte Menschen beweisen jeden Tag das Gegenteil. So lange es solche Menschen gibt, hat die Menschheit eine Zukunft.

  48. Spooner meinte:

    @ Vox Populist
    Genau, nämlich für die reichen Menschen, die werden in ihren Vaults die Apokalypse, wenn sie denn kommt auch überleben...
    Adorno sagt im Interview Spiegel:
    „Ich würde eher sagen, daß der krampfhafte Hang zum Positiven aus dem Todestrieb kommt.“
    Denn das in den kapitalistischen Gesellschaften vorfindliche Bewusstsein geht vom Gegenteil aus und begreift nicht, dass der herrschende „Think-Positive!“-Imperativ Ausdruck des Todestriebes ist.
    Wenn Individuen vom Todestrieb gesteuert werden, so ist ihnen dies in der Regel nicht bewusst. Sie wollen nur „gut drauf“ sein, „Spaß haben“ und bei ihrer Flucht in ihre „Spaß-Welten“ nicht von „Spaß-Bremsen“ gestört werden. Sie verhalten sich dabei wie die bekannten „Drei Affen“. Realitätsflucht und Realitätsverleugnung sind Symptome des Wirkens des Todestriebs.
    Noch deutlicherer ist es bei der Geld-Gier und beim Geiz.
    „Geiz ist geil!“ ist Ausdruck eines vom Todestrieb pervertierten Denkens. Geiz ist das Verhalten von misanthropen und liebesunfähigen Menschen. So etwas mit „geil“ zu assoziieren ist pervers. Genauso wie Sado-Maso-Praktiken als „geil“ zu erleben.
    SM-Fantasien und –Spielchen sind Symptome einer kranken, autodestruktiven Gesellschaft. Und deshalb auch so weit verbreitet.
    Der Sadomasochismus ist die psychosoziale Logik der Marktwirtschaft.
    Wenn in den kapitalistischen Gesellschaften die zivilisatorische Matrix ausreichend stark ist, kann dieser „Todestrieb“ längere Zeit weitgehend latent bleiben. Das vergangene, barbarische 20. Jahrhundert zeigte in den Kriegen und Faschismen den wiederholten Zusammenbruch der gesellschaftlichen Matrix und den Durchbruch dieses Zerstörungs- und Todestriebs.
    In der neoliberalen Ära hat nunmehr sozialdarwinistisches Denken und Handeln inzwischen wieder Hochkultur. So sei der Mensch von Natur aus, ein Feind des Menschen (homo homine lupus), behaupten die Sozialdarwinisten.
    Heute wird es wieder – wie in den faschistischen Zeiten - als normal angesehen, mit anderen Menschen abwertend, aggressiv, feindselig, unfair und exkludierend umzugehen.
    Nur so kann man Adornos Satz richtig verstehen, „dass der krampfhafte Hang zum Positiven aus dem Todestrieb kommt.“

    Im Übrigen gehst Du mit keinem Wort auf meinen ökologisch bsierten Einwand ein, das nur mal so nebenbei...lächel

    Ach ich vergaß, das auch "Ninjaturkey" m.E. völlig unbegründet, sich auch noch lustig über mein Argument der "Überbevölkerung" macht.

  49. reset meinte:

    @ninjaturkey
    "auch für den guten reset und seine zwei Frauen."

    verwechslung: ich habe keine zwei frauen. das ist spooner mit seinen sogar drei frauen!

    @max
    auf welche dinge wolltest du denn noch eingehen?
    jetzt zieh dich doch bitte nicht wie eine beleidigte leberwurst in deine pelle zurück.

    es ist nunmal realität in deutschland für menschen mit meinem alten lebensstil, dass sie verdächtigungen ausgesetzt sind. vielleicht ist das bei dir in köln ja anders.
    es ist leicht, jemanden wie mir vorzuwerfen, ich würde dem faschismus vorschub leisten, weil ich mich anpasse, um keinen verdächtigungen mehr ausgesetzt zu sein.
    warst du schon mal existenzgefährdenden verdächtigungen ausgesetzt, max?
    weißt du, welcher sozialer druck dann herrschen kann?

    es ist so leicht, menschen vorzuwerfen, sie würden nicht den helden spielen.
    doch nicht jeder ist zum helden geboren. und helden sterben ohnehin früh.

    wenn man gekämpft hat,
    wenn man diverse mittel und wege versucht hat, die verhältnisse zu ändern,
    wenn der körper nicht mehr mitspielt,
    wenn man keine kraft mehr hat,
    dann ist es wohlfeil, so jemanden vorwürfe zu machen.

    im gegensatz zu den meisten anderen habe ich es wenigstens versucht und habe dafür einen hohen preis bezahlt.
    vollgepumpt mit stresshormonen und unglücklich - auf dauer hält ein mensch das nicht aus.

    max, ob es dir gefällt oder nicht.
    auch wenn es zivilisatorisch und gesellschaftlich schlecht ist, wenn einzelne aufgeben.
    für das indiviuum ist es nach so einem leidensweg die richtige entscheidung, sich nicht kaputt machen zu lassen, indem man vergebens gegen die verhältnisse ankämpft.

  50. reset meinte:

    @ninjaturkey

    "Mögest Du auch dann Dein zunehmend kleiner / übersichtlicher werdendes aber dafür total leichtes Leben (aka "Leben light") genießen. Viel wird es nicht mehr sein."

    hast du meine kommentare oben alle gelesen?
    mein leben war "klein und übersichtlich", als ich mit angezogener handbremse aus datensparsamkeit und systemkritik viele aktivitäten vermieden habe.

    zum beispiel:
    "außenseiter *war*. seitdem ich viele dinge anders mache als früher, hat sich auch einiges in meinem leben positiv verändert (siehe meine vorherigen kommentare). seit ich ein smartphone und einen facebook-account habe, werde ich nicht mehr schief angeschaut, beruflich wie privat. ich bin beliebter und sozial integrierter als je zuvor. der kontakt zum anderen geschlecht ist so gut wie nie. auch keine verdächtigungen mehr, was ich denn zu verbergen hätte."

  51. Vox Populist meinte:

    @Spooner:

    der krampfhafte Hang zum Positiven

    Das ist eben der Strohmann, weil es einen wesentlichen Unterschied ausmacht, ob Optimismus lediglich das Resultat von Selbst- und Fremdmanipulation durch das System ist - Positives Denken als psychologisches Konzept ist in der Hinsicht sicher kritisch zu sehen - oder ob er sich aus konkreten Fakten und einer humanistischen, philantropen Grundhaltung speist.

    Ich bin überzeugt davon, dass der technische Fortschritt - und nicht der xte gescheiterte Versuch realsozialistischer Utopie, wie wir ihm gerade in Venezuela beiwohnen dürfen - den Kapitalismus unausweichlich seinem Ende zuführt, da eine Gesellschaft von Herren und Sklaven nicht mehr funktionieren wird, wenn jegliche nicht-schöpferische Arbeit von Robotern und KIs ausgeführt wird (also 95 % der heutigen Lohnarbeitsplätze obsolet werden).

    Ich sehe unsere Spezies derzeit in einer Übergangsphase vor dem, was Futuristen als Singularität bezeichnen, also einem Quantensprung in der biologischen und technischen Evolution, nach dem die Menschheit ein völlig anderes (und für uns Heute kaum prognostizierbares) Gesicht haben wird.

    Diese Übergangsphase ist der kritische Flaschenhals, durch den vermutlich jede intelligente Zivilisation irgendwann gehen muss. Seit der Einrichtung nuklearer Erstschlagssysteme in den 50er Jahren haben wir den technologischen Stand erreicht, selbst einen Extinction event herbeizuführen, unsere Zivilisation ist aber andererseits noch nicht weit genug entwickelt, um den technischen Fortschritt zum Wohle aller Menschen und unser Umwelt verantwortungsvoll einzusetzen. Wir agieren zuweilen wie Steinzeitmenschen, die das Kontrollzentrum eines Atomkraftwerks bemannen sollen.

    Aus diesem Grund schrieb ich am Ende des vorvorigen Beitrags, dass unsere Generation dafür sorgen muss, dass wir uns nicht gegenseitig ausrotten - durch Massenvernichtungswaffen, oder durch eine unumkehrbare Zerstörung unserer Lebensgrundlagen (unseres Habitats, der Erde). Wenn uns dies gelingt, werden zukünftige Generationen ungeahnte Möglichkeiten haben, Krieg und Armut ebenso obsolet zu machen, wie das System, dass diese Gewalt unweigerlich freisetzt.

    Im Übrigen gehst Du mit keinem Wort auf meinen ökologisch bsierten Einwand ein, das nur mal so nebenbei...lächel

    Ich ging darauf nicht weiter ein, da es hier keinen Widerspruch zwischen unseren Positionen gibt - siehe meine letzten neun Worte in Beitrag #37. Persönlich schätze ich die Gefahr eines point of no return bei der weiter voran schreitenden Umweltzerstörung - also einem massiven globalen Artensterben von Flora und Fauna, dass uns die Lebensgrundlagen entzieht - deutlich größer ein als die Gefahr eines Atomkrieges, wie sie vor allem zu Zeiten des Kalten Krieges die Agenda bestimmte. In allen Staaten der Welt ist die Umweltpolitik derzeit der Wirtschaftspolitik untergeordnet - und daran wird sich auch sobald nichts ändern. Es ist eine Politik der zaghaften Schadenskontrolle, bei der man nur hoffen kann, dass sie genug Zeit erkauft um durch den technischen Fortschritt z.B. bei der Ablösung fossiler Brennstoffe einige wesentliche Probleme zu lösen, bevor diese nicht mehr einzudämmen oder wenigstens langfristig umkehrbar sind.

  52. Spooner meinte:

    Ganz einfach, es wird wieder Krieg geben und zwar einen richtigen, nicht dieses Geplänkel im nahen Osten oder im Sudan, sondern es wird nochmal richtig krachen.
    Alle steuern darauf zu, die Thinktanks der Amis halten bereits einen Erstschlag wieder für gewinnbar. und die Chinesen werden auch bald wieder expandieren...ihr werdet sehen...spätestens wenn die Ressourcen so gegen 2035 knapp werden.

  53. SusAnnA meinte:

    Was dem Einen als Vorteil - dem Anderen als Nachteil erscheint.
    Nicht Main-gestreamt zu sein, kein Smartphone, kein TV, kein Auto, keine Mikrowelle, keine Geschirrspülmaschine zu haben ist schon toll und bringt mir nur Vorteile. Es ist einfach gesünder und dazu noch kostengünstig.
    Anders zu sein verkleinert den "Freundschaftskreis", der sich dann bis zu einem wahren Kern an echten Freunden reduziert. Kein nerviges Blabla zu Unzeiten von einem der unzähligen "Bekannten", kein Gepiepse und Geläute, wenn ich im Garten meine Ruhe genieße. Keiner will was von mir und ich will von Keinem was. Zeit für absolutes Nichtstun zu haben ist mein größter Reichtum (wenn man das Beobachten von Vögeln oder Eichhörnchen oder Walderdbeerenpflücken als Nichtstun bezeichnen möchte).

    Mir hilft die Einstellung, das Leben und all das Geschehen "da draußen" als großes Spiel zu betrachten, wo Andere die Spielregeln bestimmen und ich entscheide (weitgehend), wann, wo und wie ich mitspiele. Aufgrund von Genügsamkeit und geringer Konsumbereitschaft, reicht es, wenn ich nur wenig arbeite, da ich mir nichts Neues kaufen möchte. Somit habe ich viel freie Zeit, um z.B. nachts bei daMax Eure interessanten Kommentare zu lesen und selbst noch einen zu Schreiben, da ich morgens ausschlafen kann.

    Okay, so gut hat es nicht Jede/r, aber ich bin der Ansicht, dass Jede/r mehr selbst zu entscheiden hat, als er oder sie vorgibt. Oft sind die äußeren Gründe, warum man dies oder jenes tun müsste nur vorgeschoben. Die eigenen Zwänge/Abhängigkeiten/Süchte zu überprüfen und zu durchschauen und dann abzubauen macht höchsten Sinn; es ist sehr befriedigend ein (weitgehend) Selbst-bestimmtes Leben zu führen.

    Und ja, ich nehme dieses Spiel nicht mehr ernst und habe keine Angst mehr vor dem, was da kommen könnte (z. B. 52. Kommentar).

  54. Spooner meinte:

    Solange die Funktionselite an der Macht ist, wird es keinen Frieden geben!
    Solange es Religionen gibt, wird es keine einvernehmliche und moderne Gesellschaft geben!
    Solange ein System herrscht, das auf Wachstum und Profit aufgebaut ist, wird es Korruption und Verbrechen geben!
    Aber selbst wenn wir es schaffen all das niederzukämpfen, müssen wir uns noch ein System einfallen lassen um nachhaltig eine Geburtenregelung einzuführen, damit wir das Problem der Überbevölkerung in den Griff bekommen.

  55. Stefan G. meinte:

    "Solange es Religionen gibt, wird es keine einvernehmliche und moderne Gesellschaft geben!"

    Religionen sind nicht das Problem, sondern die Ausrede...

  56. da]v[ax meinte:

    @reset (49): ich bin heute jobmäßig zu ausgebucht... vielleicht finde ich heute Nachmittag kurz Zeit für ne Antwort, am Wochenende bin ich nicht da. Musst dich evtl. bis nächste Woche gedulden...

  57. Spooner meinte:

    @Stefan G.:
    Ich hätte auch "Gläubige" schreiben können. P-)

  58. Stefan G. meinte:

    "Ich hätte auch "Gläubige" schreiben können."

    Was genauso falsch gewesen wäre... Menschen, die bestimmte Ziele verfolgen, benutzen Religion gerne als Ausrede und deren Anhänger gerne als Werkzeuge... Und die Masse glaubt es noch...

  59. AGuy meinte:
  60. meh meinte:

    Wenn ihr in meinem Alter (22) wärt...

    ... dann habt ihr die Wahl zwischen ausschließlich Parkschützer als Freunde oder Teil der Masse der Smartphone-Besitzer zu sein.

    (Parkschützer, die welche im Schlossgarten gecampt haben um Bäume zu retten, ja das ist ein gängiger Begriff für alternative Lebensstile.)
    (Und ob man jetzt ein Handy mit SMS hat oder Whatsapp nutzt macht keinen sonderlich großen Unterschied, aus Sicht des Datenschutzes.)

    Es gibt keine Planungssicherheit mehr, kaum jemand schafft es, sich Donnerstagabend auf ein Grillen am Freitag zu einigen, ohne dass es noch zehn mal am Freitag diskutiert und umgeplant wird.
    Soziales Engagement hat mehr Planungssicherheit, ist auch komplett auf Dropbox und Whatsapp angewiesen, maximal noch E-Mail, aber die werden ja auch meistens unverschlüsselt gesendet.

    Ich nutze keine Google Dienste außer YouTube in Inkognito-Fenstern, schmeiße sämtliche Cookies täglich weg, surfe nicht mit dem Browser, mit dem ich mich irgendwo angemeldet habe.

    Nur an manchen Stellen geht es schlicht nicht.

    Aber ist euch mal aufgefallen, wie herrlich geil Netflix, Spotify, Amazon Prime & Prime Instant Video sind?
    Also sind mein Musikgeschmack und mein Filmgeschmack nicht mehr privat, mein Hör-/Sehverhalten auch nicht mehr.
    Netflix weiß es, wenn ich schon um 17 Uhr zuhause bin, Spotify weiß sehr genau, wann ich in den Zug einsteige und wann wieder aus.

    Bin ich zu bequem geworden?
    Ich habe es lange versucht, aber Datenschutzaktivismus sollte es aufgeben, das Erheben von Daten verhindern zu wollen, es müssen viel eher gesellschaftliche, technische und gesetzliche Konventionen gefunden werden, die das Leben mit einem digitalen Ich ermöglichen, ohne permanent Angst vor den Folgen haben zu müssen.

  61. daMax meinte:

    @meh: Also in deinem Alter bin ich zwar nicht mehr, Parkschützer war ich aber - wie du sicher weißt - auch lange genug. Zumindest so lange, bis sich zeigte, dass auch da jede Menge traurige Gestalten ohne eigene Lebensidee rumhängen, die z.T. ernsthafte psychische Probleme haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Es gibt keine Planungssicherheit mehr, kaum jemand schafft es, sich Donnerstagabend auf ein Grillen am Freitag zu einigen, ohne dass es noch zehn mal am Freitag diskutiert und umgeplant wird.

    Da sprichst du was an, von dem ich immer dachte, das nervt nur mich weil ich eben so ein alter Sack bin. Schön, dass das offenbar auch anderen gegen den Strich geht. Dazu kommt dann meist auch noch eine totale Hilflosigkeit, wenn man dann endlich doch mal irgendwo verabredet ist: kaum ist man da, wird sofort das Handy ausgepackt und gefragt "Wo seid ihr?" anstatt einfach mal die Glotzbebbel aufzumachen. Herr, lass Hirn ra!

    Soziales Engagement hat mehr Planungssicherheit, ist auch komplett auf Dropbox und Whatsapp angewiesen, maximal noch E-Mail, aber die werden ja auch meistens unverschlüsselt gesendet.

    Yo, tell me about it m(

    Aber ist euch mal aufgefallen, wie herrlich geil Netflix, Spotify, Amazon Prime & Prime Instant Video sind?

    Mir jetzt speziell nicht so, weil ich einfach kein Serienglotzer bin, ich lese lieber Bücher. Aber klar: ohne Amazon und Mastercard, Deezer und Wikipedia, Smartphone und Google-Maps könnte ich mir mein Leben auch nicht mehr vorstellen.

    Bin ich zu bequem geworden?

    Ich denke, nein. Guck mal den hier an, der hat sich volles Programm kopfüber in das Fass gestürzt. Ich denke, man kann und soll sich dem aktuellen Zeitgeschehen nicht komplett verschließen, aber mann muss sich dessen, was man da tut, bewusst bleiben (wenn das überhaupt geht). Ich für meinen Teil merke immer schmerzlicher, dass ich ohne FB-Account von großen Teilen des Soziallebens schlichtweg abgeklemmt bin. Ich kann mich froh schätzen, wenn sich mal jemand dazu herablässt, mir eine Mail über das Verhandlungsergebnis der heutigen Abendplanung zu schicken, denn wenn das nicht geschieht, sitze ich wieder mal alleine zu Hause rum und daddle (immer noch) Skyrim oder lese eben ein Buch.

    Tatsächlich bin ich immer wieder kurz davor, mir einen FB-Account zu holen, aber dann passierts doch nie. Irgendwann werde ich das sicher noch tun.

    Ich denke, solange man solche Dinge halbwegs bewusst betreibt, geht das schon klar. Die Alternative würde lauten, auf eine Alpe zu ziehen und das habe ich mir mal für 2 Tage angeguckt und für nicht kompatibel zu meinen Luxusbedürfnissen befunden.

    Deinen Schlusssatz kann ich demnach voll unterschreiben. Bleib' locker aber aufmerksam. Und scheiß drauf, was die Masse tut, Millionen Fliegen können eben doch irren, was den Geschmack von Scheiße angeht ;)

  62. Chris meinte:

    Danke, an die meisten, die sich an dieser Diskussion beteiligt haben!

    Es ist interessant, wie sich völlig verschiedene Wahrnehmungen zu der einen (einzigen) Welt entwickelt haben, in der wir leben.

    Zuerst kam hier die Frage, wie wichtig der „Kampf für das Gute”™ ist, und in welchem Verhältnis er zum eigenen Wohlbefinden steht. Danke gerade an @panic @reset für den provokanten Anstoß zur Diskussion. Ich bin hier anderer Meinung: Ich finde, dass jeder Mensch sich konstruktiv für das Zusammenleben in der Gesellschaft einsetzen sollte. Wer das kann, aber nicht tut, hat – meiner Meinung nach – das Recht verwirkt, von ihr zu profitieren. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch zusehen, wo man selbst bleibt, so dass man sich nicht kaputt macht.

    Dann die Frage, ob gerade Pessimismus oder Optimismus angebracht ist, wenn man sich so den Zustand der Menschheit und all ihrer Probleme ansieht. Auch hier geht die Meinung wahrscheinlich viel mehr auseinander als die Vorstellung der Kommentatoren, was gut und was schlecht ist. Natürlich läuft es nicht super, aber die Welt geht auch noch (lange) nicht unter. Danke an @Vox Populist für diesen Optimismus. Gerade Kritiker wie ich (und einige andere hier) vergessen zu oft, wie schön doch vieles ist.

    @meh (#60):

    Es gibt keine Planungssicherheit mehr, kaum jemand schafft es, sich Donnerstagabend auf ein Grillen am Freitag zu einigen, ohne dass es noch zehn mal am Freitag diskutiert und umgeplant wird.

    Bin in ähnlichem Alter und erlebe das auch ähnlich, teils auch von mir selber. Da muss man einfach seine Meinung sagen und immer wieder wiederholen. Erziehung funktioniert nicht nur von Eltern zu Kind(ern), sondern auch zwischen Erwachsenen.

    @daMax (#61): Einfach mal anrufen? Ich weiß, das mach ich auch zu selten, aber warum nicht?

  63. da]v[ax meinte:

    @Chris: wat meinste mit "einfach mal anrufen"? Dass ich die Leute anrufen soll um zu erfahren wie die FB-Planung ausgegangen ist? Joah, da ist was dran ;)

    PS: @panic hat hier gar nicht diskutiert. Sicher, dass du nicht @reset meintest?

  64. Chris meinte:

    PS: @panic hat hier gar nicht diskutiert. Sicher, dass du nicht @reset meintest?

    Ja, korrekt. Nach gefühlt 50 Bildschirmseiten Text war mein Hirn wohl nicht mehr ganz frisch ;)

  65. da]v[ax meinte:

    @Chris: isch hab datt jrad ma korrejiert, wa.

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  2. […] Ich kann da nicht mehr gegen anschreiben, petitionieren, demonstrieren. Demnächst mache ich es wie reset und springe voll rein is Fass der vollüberwachten Kommunikation. Ignorance is bliss und wer nichts […]

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Ey, lass mich einfach rein, okay?
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Ich will das hier nie wieder sehen.
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Ihr Browser versucht gerade eine Seite aus dem sogenannten Internet auszudrucken. Das Internet ist ein weltweites Netzwerk von Computern, das den Menschen ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation bietet.

Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

Die Umgehung dieser Ausdrucksperre ist nach §95a UrhG verboten.

Mehr Informationen unter www.politiker-stopp.de.